21.02.2011 – Isabel Steinböck / Westfälischen Nachrichten – Club Guy & Roni: Trashig und selbstironisch

Pressespiegel

 

21.02.2011 – Isabel Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Club Guy & Roni: Trashig und selbstironisch

Schultern und Kopf sind ständig in Aktion, der Tänzer zuckt über die Bühne, gleitet weich auf den Boden, kommt mit flinken Bewegungen wieder hoch. Mit Pelzmütze und Sonnenbrille ausstaffiert, stellen zwei andere ihm nach, skurril wie in einem Kaurismäki-Film. Oben an der Wand das Bild von einem Astronauten, an einer Seite der Bühne ein Panoramaposter Marke „kitschiger Sonnenuntergang“, an der anderen ein Wohnzimmer mit leeren Schnapsflaschen; eine tätowierte Blondine macht sich auf dem Sofa breit.

In der Inszenierung trashig und wunderbar selbstironisch, im Schauspiel gekonnt, atemberaubend schön im Tanz: Vor zehn Jahren kam das Tänzer- und Choreografenpaar Guy Weizman und Roni Haver aus Israel nach Groningen, um den „Club Guy & Roni“ zu gründen. Im Pumpenhaus feierte die Company jetzt die Deutschlandpremiere von „Alpha Boys“.

Zu Jens Boutherys Schlagzeug-Schlägen springen die Tänzer virtuos über die Bühne, gleiten wie am Fließband in den Handstand, springen mit Tempo übereinander. Kraftvoll, kantig und dynamisch ist ihr Tanz, exakt aufeinander abgestimmt und so rasant, dass man die Zeit zurückdrehen möchte, um alles noch einmal zu sehen. Unterhaltsam und komisch ist die Inszenierung, etwa, wenn sich ein Tänzer im Schottenrock der Unterhose entledigt und das pikante Kleidungsstück mit großer Geste ins Publikum wirft, um mit „quietschenden“ Füßen im Spagat zu enden.

Als seien sie auf der Probe, versuchen sich die Tänzer in kleinen Szenen, stellen sich mit grotesken Gesten als hilflose Machos dar. Gnadenlos klischeebeladen und doch mit Tiefgang ist dieses Tanztheater über die Alpha-Männchen der Gattung Mensch. Stehende Ovationen gab´s dafür am Ende!