21.02.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Höhenflug der Alpha Boys

Pressespiegel

 

21.02.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Höhenflug der Alpha Boys: Premiere im Pumpenhaus

Der erste Eindruck ist der einer etwas angegammelten Gemütlichkeit. In der rechten Ecke steht ein altes Sofa mit Couchtisch und Fernseher. Die gemusterte Tapete, die dieses Arrangement vom Rest der Bühne abtrennt, sieht auch nicht mehr ganz frisch aus.

Ebenso die Gestalten, die auf dem Sofa lümmeln, als wollten sie es nie wieder verlassen. Nur das Schlagzeug in der linken Ecke deutet darauf hin, dass es bei der Gemütlichkeit nicht bleiben wird.

Tatsächlich geht es dann auch schnell zur Sache bei den „Alpha Boys“. Sechs hervorragende Tänzer und einen versierten Musiker haben die Choreografen Guy Weizman und Roni Haver aufgeboten, um das Pumpenhaus in einen brodelnden Kessel aus Eitelkeiten, Platzkämpfen und exhibitionistischen Aktionen zu verwandeln. Das Ganze ist eine auf männlich gekrempelte Version des erfolgreichen Frauenstücks „Language of Walls“, mit dem der Club Guy & Roni seit Jahren international tourt.

Der Gender-Ansatz schlägt sich in den Kostümen nieder, wenn zwei der Männer in karierten Röcken über die Bühne fegen und ein anderer mit Stöckelschuhen und blonder Lockenperücke die Bardame mimt. An der behaarten Brust eines Tänzer werden Enthaarungspflaster ausprobiert. Aber das Ketchup, das dann als Blut zu fließen beginnt, dient seinem Kollegen nur dazu, seine Pommes darin einzutauchen. Krude Sexgeschichten werden erzählt, schmelzende Lovesongs zum besten gegeben, und irgendwann fliegt eine Unterhose ins Publikum.

Aber diese ironisch gefärbten Einlagen sind nur eine Seite. Die andere ist hochdynamischer und perfekt in Szene gesetzter Tanz, bei dem sich Solisten und Ensemble wunderbar ergänzen. Immer wieder brechen einzelne Tänzer aus der Riege aus, um mit Breakdance und akrobatischen Einlagen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Einmal quetschen sich die Protagonisten sogar in die Fächer eines Wandschranks und agieren dort wie zu groß geratende Puppen eines Marionettentheaters.

Ebenfalls gelungen ist der Aufbau eines Spannungsbogens. Nach dem furiosen Auftakt folgt eine quasi dämpfende Passage, bei der sich die Tänzer traumwandlerisch geben, um dann im Finale förmlich auszuflippen und wie eine wildgewordene Affenhorde die Bühne zu stürmen. Eine eindruckvolle Leistung, die vom Publikum zu Recht mit stehenden Ovationen bedacht wurde.