14.02.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Talkshow dreht die Zeit zurück

Pressespiegel

 

14.02.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Talkshow dreht die Zeit zurück

„Team Time & Die golden Girls“

Drei junge Frauen in knielangen, mit Goldfäden durchwirkten Röcken sitzen auf der Bühne des Pumpenhauses wie die Hühner auf der Stange und lächeln in eine imaginäre Kamera. Sie sind die „Golden Girls“ in einer Talkshow, die die Zeit zurückdreht und drei Leben Revue passieren lässt. Schein und Sein stimmen mitunter kaum überein, wenn die jungen Darstellerinnen Elmira Bahrami, Jessica Garbe und Ursina Hemmi drei über 80-Jährige mimen, doch ihren Lebens-Geschichten, die Original-Interviews entstammen, kann man sich nur schwer entziehen.

Bombardierung im Krieg, Enge in kinderreichen Haushalten und harte Arbeit kommen in dem von Simon Breuer und Kai Niggemann moderierten, satirisch durchsetzten Talk „Team Time & die Golden Girls“ ebenso zur Sprache wie die schmerzhafte Trennung vom Ehemann oder skurrile Grenzerfahrungen als klinisch Tote. Trauer und Wut überwiegen im Rückblick, Liebesglück und Kindersegen gleichen aus; „Das war schlimm“ ist dennoch ein häufiges Zitat. Regisseurin Ruth Schultz von „Paradeiser productions“ fügt den zweiSchauspielerinnen mit Ursina Hemmi eine Tänzerin bei, die Gefühle mit rudernden Armen und wiederholt heftigen Oberkörper-Bewegungen ausdrückt, letztlich allerdings durch jugendlichen Charme für sich einnimmt.

Plätschern die Erzählungen der Damen bisweilen vor sich hin, so sind es einerseits die komischen andererseits die emotional-starken Szenen, die das Stück bemerkenswert machen. Witzig, wenn sich die drei hochbetagten Damen, auf imaginären Fahrrädern sitzend, über Gefahren beim Radfahren auslassen, wenn sie brav „Winter ade“ trällern oder mit beim Kaffeekränzchen Gemeinsamkeit demonstrieren. Und erschütternd, wenn sie sich heute als „Luxusobjekte“ fühlen, die Geld kosten. Wenn sie sich schon jetzt für ein Rasengrab entscheiden, weil es den Angehörigen wenig Arbeit macht. Dann wird es auch schon mal laut in der ansonsten ruhigen Inszenierung, die durch authentische Sprechweise wiederholt lebensnah wirkt.