24.01.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung – Im Pumpenhaus: Liebeserklärung an die Mutter des modernen Tanzes

Pressespiegel

 

24.01.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Im Pumpenhaus: Liebeserklärung an die Mutter des modernen Tanzes

Mary Wigman (1886 – 1973) ist gewissermaßen die Mutter des Ausdruckstanzes. Auf Tourneen durch Europa und die USA machte sie die deutsche Spielart des Modern Dance international bekannt. Fabián Barba, ein junger Tänzer aus Ecuador, hat neun Soli der berühmten Tänzerin rekonstruiert.

Am Samstag stellte er seinen „Mary Wigman Dance Evening“ im Pumpenhaus in Münster vor – eine faszinierende und ästhetisch aufschlussreiche Vorstellung, die mit viel Applaus bedacht wurde.

Barba tritt mit schwarzer Lockenperücke und behaarten Beinen auf und bietet so einen Anblick, der gleichermaßen Identifikation und Distanz ermöglicht. Die ersten sechs Stücke sind aus dem Zyklus „Schwingende Landschaften“ von 1929 und geben einen Überblick über das reiche Ausdrucksspektrum der Wigman.

Stummfilm-Schönheit
In „Gesicht der Nacht“ bewegt sich Barba wie eine empfindsame Stummfilm-Schönheit über die Bühne. Ängstliche Blicke, Zurückschrecken vor einer unsichtbaren Bedrohung, Händeringen – alles mit großen, expressiven Gesten. Dann breitet er die Arme aus wie Adlerschwingen, kriegt seinerseits den drohenden Blick, und es würde keinen im Publikum wundern, wenn er den Mund öffnete und dabei Vampirzähne zum Vorschein kämen.

Einen stimmungsmäßigen Kontrapunkt zu dieser düsteren Szenerie bildet das folgende Stück. In „Pastorale“ verwandelt sich der Tänzer in ein junges Mädchen. Spielerisch springt er durch die Landschaft, lässt die Arme kreisen und streckt seinen aufblühenden Körper der Sonne entgegen. Sausend und brausend wiederum geht es im „Sturmlied“ zu. Für diese Miniatur hat sich Barba vollständig in einen roten Schleier gehüllt, mit dem er über die Bühne weht wie ein Blatt im Wind. In „Sommerlicher Tanz“ spielt er mit der begleitenden Klaviermusik, als würde er jeden Ton mit seinen Händen formen.

Nach der Pause steht mit „Raumgestalt“ von 1928 ein nostalgischer Serpentintanz auf dem Programm, gefolgt von „Zeremonielle Gestalt“, wo die expressionistische Stummfilmästhetik wieder aufgegriffen, aber mit einem transparenten, kegelförmigen Kleid geometrisch verfremdet wird. Den Abschluss der gelungenen Hommage an eine große Tänzerin bildet „Drehmonotonie“ von 1926, bei der Barba sich unentwegt im Kreis dreht, bis er erschöpft zu Boden sinkt.