24.01.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Die Spezies Mensch in Bewegung

Pressespiegel

 

24.01.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Die Spezies Mensch in Bewegung

Tanzkompagnie Busy Rocks aus Brüssel zeigt die Produktion „Studium“ im Pumpenhaus

Ein perfektes Gebilde aus drei Körpern: Auf dem Bühnenboden liegen, die Beine angewinkelt, zwei schwarz gekleidete Performer. Auf ihren Unterschenkeln tragen sie eine Tänzerin, die, von beiden manipuliert, makellose Bewegung zeigt. Arme und Beine angewinkelt, stellt die junge Frau liegend eine Läuferin dar. Wie bei einem Automaten wiederholt sich ihr fremdgesteuerter Lauf, wird mal schneller, dann wieder langsamer und wirkt letztendlich wie eine perfekte Bewegungsstudie zur Spezies Mensch.

Auch der Fotograf Eadward Muybridge studierte einst Mensch und Tier, bildete ihre Bewegungen in Serien ab, entwarf eine Art Bilderbuchkino als Vorreiter des Films und machte schließlich die bahnbrechende Entdeckung, dass ein Pferd im Galopp zeitweise alle vier Hufe vom Boden abhebt.

 Inspiriert durch dokumentarische Arbeiten des Fotografen-Pioniers aus dem 19. Jahrhundert, entwarf Tuur Marinus für seine Brüsseler Tanzcompany „Busy Rocks“ das Konzept zu „Studium“: 45 Minuten bewegte Bilder, mit Präzision auf die Bühne gebracht von zwei Tänzerinnen und zwei Tänzern, allesamt Absolventen der renommierten belgischen Anne-Teresa-De-Keersmaeker-Schule „P.A.R.T.S.“. Im Theater im Pumpenhaus feierte das Tanzstück jetzt seine Deutschland-Premiere.

Choreografisch betrachtet, erstreckt sich das „Studium“ der vier jungen Tänzer sowohl auf die Anatomie des menschlichen Körpers als auch auf das Zusammenspiel von Individuen. Wie platziert man den Körper des anderen, um ihn in seiner natürlichen Bewegung darzustellen? Wo bewegt man ihn, wann und wie oft? So könnten die Anweisungen von Tuur Marinus, der auch selbst auf der Bühne steht, bei der Erarbeitung des Stücks an seine Tänzer gelautet haben. Zu sehen sind letztlich Bewegungen, die in ihrer Virtuosität geradezu animalisch wirken.

Sprünge in Slow-Motion, die Arme jedes Mal zwischen die angewinkelten Beine gestreckt wie bei einer Raubkatze; ein kurioses Wesen mit zwei Beinen und vier Armen, ähnlich einer Spinne; eine Läuferin, die wiederholt in die unsichtbare Kamera lacht, eine andere, die strauchelt und fällt. Und eine Choreografie zu Monteverdis Oper „L´Orfeo“, die in ihrer betonten Langsamkeit zur Musik des 17. Jahrhunderts passt – ja, wie bewegte Erinnerung wirkt.