17.01.2011 – Arndt Zinkant: Da wird der Pömpel zum Colt

Pressespiegel

 

17.01.2011 – Arndt Zinkant
Da wird der Pömpel zum Colt

Alles wie gehabt? Zappenduster die Bühne, scheppernde Utensilien, wuselnde Ungeschicklichkeit als Ouvertüre im finsteren Nichts. „Wir bügeln in der Finsternis“ – so ließen die vier Schelme vom Theaitetos-Trio vor zwei Jahren verlauten. Auch damals ging´s im Dunkeln los, bevor dies Quartett der Groteske ein Programm spielte, in dem der Nonsens prächtige Blüten trieb. Und dem Publikum eine Lachfalte nach der andern in die Mimik bügelte. Wie gut das war, merkte man erst richtig, als es am Samstag im Pumpenhaus hieß: „Heimweh nach mein grünes Tal“. Denn der Einfallsreichtum des herrlich albernen Vorgängers wurde nicht ganz erreicht. Was dem tosenden Beifall keinen Abbruch tat

Bügelbrett und Schuhspanner stehen diesmal ungenutzt am Bühnenrand, dafür kommt der Klosett-Pömpel zu hohen Ehren. Pathetisch schrammelt die Gitarre, erhebt sich ein nicht minder pathetischer Latino-Singsang, der ins Sakrale schwappt. Wer nun „Spaghetti-Western“ denkt, liegt richtig: Udo Herbst und Bernd Kortenkamp betreten die Szene zum Showdown, den Pömpel-Colt zur Rechten im Gürtel. „I close my eyes, and I count to ten“, raunzt der eine. Doch ist man uneins, wie weit man zählen soll, und so verläuft das Duell im Sande. Mit gebührendem Macho-Pathos.

 Weniger glimpflich geht der nächste Zweikampf vonstatten: Kortenkamp zwängt sich in einen Trenchcoat, an dessen Ärmeln leere Plastikflaschen baumeln. Die baumelnden Ärmel lässt er gleich einer entfesselten Marionette auf Helmut Buntjer einprasseln – welcher gelassen auf einem Schemel sitzt und den Hagel stoisch erträgt. Au Backe! Das hätte wörtlich ins Auge gehen können.

Witzig: Jener „angeschossene Spitalprediger“, der unter der Wildtiertränke liegt und später vom stippenden Reh zur Stipp-Visite heimgesucht wird. Mauer sind Wortspiele wie „Leuern Sie die Feute an!“ Kein Wunder, dass die Musik mehr Raum bekommt und das Quartett dem Saal einen infernalischen Soundtrack des Absurden auf die Ohren donnert. Johannes Dolezichs Kinderorgel orgelt, Kortenkamp hämmert auf dem bizarren „Wachtelrealisator“, Herbst lässt die verzerrte Gitarre jaulen.

Und wenn Buntjers Tuba das ehrwürdige Allegretto aus Beethovens Siebter quäkt und die Schelme es durch den Klangwolf drehen, wie sich´s Hendrix nicht getraut hätte, sind diese Musik-Dadaisten wieder am Quell ihrer Komik angelangt.