16.01.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Prügelei mit der Plastikflasche

Pressespiegel

 

16.01.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Prügelei mit der Plastikflasche

Es kommt immer gut, wenn sich die Künstler zu Vorstellungsbeginn noch im Dunkeln auf die Bühne schleichen. Denn dann stehen sie schon herrlich in Pose da, wenn die Scheinwerfer hochgefahren werden. Allerdings sollten sie dabei nicht solchen Krach machen wie die vier Herren des Theaitetos Trios am Wochenende im Pumpenhaus.

Die Eröffnung ihres neuen Programms „Heimweh nach mein grünes Tal“ klingt, als würde alles wieder zum Einsturz gebracht, was man vorher an Instrumenten und Requisiten sorgfältig aufgebaut hat. Das geht eine ganze Zeit so, bis jedem klar wird, dass nicht Ungeschicklichkeit dahintersteckt, sondern Absicht. Lärm als konstituierendes Moment von Musik gewissermaßen. Oder anders ausgedrückt: Vier Männer auf der Bühne machen Quatsch, und das Publikum amüsiert sich.

Dass Helmut Buntjer, Johannes Dolezich, Udo Herbst und Bernd Kortenkamp Meister des absurden Humors sind, weiß man schon aus ihrem letzten Programm „Wir bügeln in der Finsternis“. Jetzt ziehen sie die Dada-Schraube noch ein bisschen fester an.

Prediger an der Rehtränke

Die Geschichte beginnt mit einem angeschossenen Sektenprediger, der unter einer Rehtränke liegt, und endet nach einigen Ausflügen durch grüne Täler und blaue Seen auch wieder dort. Der Held heißt Karl, weil sich das einigermaßen auf Tal reimt. Als Vorlage diente Gustav Schillings trivial-sentimentaler Roman „Der Liebesdienst“. So steht es jedenfalls im Programm, ist aber eher egal.

Egal deshalb, weil alles, was auch nur in den Verdacht geraten könnte, sinnvoll zu sein, sorgfältig vermieden wird. Lieber stülpt man sich Blecheimer über den Kopf oder verdrischt sich gegenseitig mit Plastikflaschen, die an leeren Jackenärmeln baumeln. Freilich wird dabei mancher Gag ein bisschen überstrapaziert und vom Absurden ins Kindische getrieben. Aber das gleicht die Musik schnell wieder aus. Sie steht eindeutig im Mittelpunkt und wird virtuos dargebracht.