13.12.2010 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Die Schöpfung meint es gut mit dem Menschen

Pressespiegel

 

13.12.2010 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Die Schöpfung meint es gut mit dem Menschen

Tanz: Mark Sieczarek wärmt das Herz

Wenn die Tage kürzer werden und das Wetter demonstriert, wie ekelhaft es sein kann, dann zündet man im Theater die Lichter an, hängt helle Tücher an die Wände und spielt Sommer, damit der Mensch wieder ein bisschen Freude hat. Mark Sieczkarek, der als Schotte auch nicht gerade sonnig sozialisert wurde, hat sich dafür mit der brasilianischen Tanzgruppe Porto Alegre zusammengetan. Herausgekommen ist „Eu estive aqui (Iwas here)“, ein von südländischer Leichtigkeit geprägtes Tanzstück, das am Freitag im Pumpenhaus Vorpremiere feierte.
Nach einem etwas eurythmiehaften Solo des Choreografen strömen acht Tänzer auf die Bühne und formieren sich zu Paaren und kleinen Grüppchen, die auf sanfte, aber auch bedeutungsvolle Weise miteinander in Kontakt treten. Zur Musik der Gruppe Cordel do Fogo und anderen lateinamerikanischen Klängen legen sie sich gegenseitig die Hände auf die Schultern, streben voneinander weg und finden sich wieder. Dann strecken sie die Arme abwechselnd nach oben und unten, als wollten sie den Himmel darauf aufmerksam machen, dass es neben seiner Herrlichkeit auch noch so was wie eine Erde gibt.
Als der Gesang bald darauf in Perkussion übergeht, mischen sich afrikanische Bewegungselemente in den Tanz, der dadurch etwas Rituelles bekommt. Nicht mehr Individuen sind es, die hier ihren Weg durchs Leben suchen, sondern eine Gemeinschaft, die sich im vollkommenen Einklang befindet. Als dann auch noch ein Mädchen mit einem Windrädchen aus Goldpapier auf die Bühne stürmt und die Tänzer weiße Luftballons durch die Lüfte schweben lassen, macht sich die Gewissheit breit, dass es die Schöpfung gut mit den Menschen meint.
Die Welt draußen ist grau und düster, aber bei Sieczkarek auf der Bühne geht es hell und freundlich zu. Das ist zwar nicht die Art von Transformation, die man vom Pumpenhaus gewöhnt ist, aber man muss auch nicht unbedingt was dagegen haben, wenn alles einfach nur nett und schön ist. Zumal dann nicht, wenn es, wie hier gut gemacht ist.