12.11.2010 – Heike Eickhoff / Westfälischen Nachrichten Zwischen: Galgenhumor und bösem Spiel

Pressespiegel

 

12.11.2010 – Heike Eickhoff für die Westfälischen Nachrichten
Zwischen Galgenhumor und bösem Spiel

Szenen voller sanfter Ironie, dann fast ekelerregende Bilder im Wechsel. Lose Assoziationen, eine Frau, die ihren Mann fernsteuern will (um ihn komplett zu beherrschen), ein Mann, der die Macht um ihrer selbst willen wünscht. Die Frau (durchaus als entfernte Verwandte der machthungrigen Lady Macbeth erkennbar) und der Mann (Macbeth in seinem Ehrgeiz nicht unähnlich) waren die beiden etwas genauer schraffierten Charaktere der Inszenierung „Die Gesellschaft des Bösen – La sociéte du mal“.

Gewollt abstraktes Spiel in bewegten Bildern, bewusster Verzicht auf eine verbindende Handlung, weder Kulissen noch Kostüme, statt dessen die leere, ziemlich helle Bühne des leider nur wenig besuchten Pumpenhauses – eine hochexpressive, verblüffende Inszenierung, die viele Bilder und Rätsel im Kopf des Zuschauers zurücklässt.

 Das Regieduo Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen arbeitet seit längerem mit afrikanischen und deutschen Künstlern. Die kulturelle Spannung, die daraus erwächst, führte zu einer Umdeutung und Verlagerung von Shakespeares sagenhaften Hexenstaat in „Macbeth“ zu tatsächlichem afrikanischem Zauberkult und realer diktatorischer Machtbesessenheit.

Das Quartett Gotta Depri, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, Hauke Heumann und Melissa Logan führt eine oberflächlich betrachtet untänzerische Choreografie auf, gespickt mit lautem Stampfen. Fast scheinen sie sich zu bewegen wie sie wollen. Doch der Schein trügt. Hinter allem steht ein wohl überlegtes Konzept, und das scheinbare Chaos mündet in ein gesungenes Finale.

Texte (von den afrikanischen Tänzern in Französisch gesprochen) gibt Heumann in Deutsch wieder. Logan erzählt in amerikanischem Englisch, so dass drei Sprachen gleich stark beteiligt sind. Angedeuteter Kannibalismus, schwarze Magie, die mit einem extrahierten Phallus ausgeübt werden muss, und das fröhlich klingende Schlusslied mit beißend bösem Text über den ehemaligen Diktator des Kongo taumeln zwischen Galgenhumor und bösem Spiel. Eindrucksvoll und sehr sehenswert.