08.11.2010 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Korea tanzt traditionell und modern

Pressespiegel

 

08.11.2010 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Korea tanzt traditionell und modern

Fünf weiß gekleidete Tänzerinnen und Tänzer halten ebenso weiße Tafeln in die Höhe, geben sie mit fließenden Bewegungen weiter, sprechen mit den Händen. Gesten und Tempo sind exakt aufeinander abgestimmt, ihr Tanz wirkt exotisch. Der Eindruck steigert sich noch, wenn für Europäer unbekannte Symbole folgen und auf Koreanisch gesprochen wird. Oder wenn eine ältere, traditionell gekleidete Tänzerin auftritt, die im übrigen wie ein Buddha im Schneidersitz Beobachterposition einnimmt. Mal ist sie noch mit einer Strohpuppe zu sehen, mal mit einem Blütenast. Bedeutungen kann man nur erahnen.

„3 Nights 3 Days“ ist der Titel dieser Produktion aus Korea. Im Rahmen des Festivals „Kore – A – Moves“, das bis Ende des Monats in acht europäischen Städten Tanz aus Südkorea zeigt, trat die „Now Dance Company“ im Pumpenhaus auf. Young Sohns Choreografie ist von einem buddhistischen Bestattungsritual inspiriert, das drei Tage und drei Nächte dauert. In wechselnden, traditionellen Gewändern treten acht Tänzer auf, zeigen Tanz mit angewinkelten Füßen und hohen Beinen oder kurzen Schritten, in der Bewegung eingefroren, bis die nächste Szene beginnt. Es geht um den Lauf des Lebens, einfach, aber prägnant dargestellt, wie etwa im Prozess des Alterns, wenn eine Tänzerin immer wieder aufs Neue verkleidet wird und so wesentliche Stationen ihrer Vergangenheit abbildet. Der große Zusammenhang erschließt sich leicht, Details werden allerdings nur Eingeweihte verstehen.

Ganz anders das zweite Tanzstück des Abends der koreanischen Company „Sung Soo Ahn Pick-Up Group“. „Rose – The rite of spring“ ist auf die berühmte Strawinsky-Musik „Le sacre du printemps“ choreografiert, die einst schon den legendären Nijinsky zur Choreografie in­spirierte. Mit wirbelnden Armen und schnellen Beinen bringen fünf Tänzerinnen und Tänzer beeindruckende Kraft und Dynamik auf die Bühne. Ihr virtuoser Tanz vereint zeitgenössische Bewegungen mit Akrobatik und Streetdance, ist symbolträchtig und ausdrucksstark. Dabei spielt Sung Soo Ahn mit den Erwartungen des Publikums, indem er erst den Anschein erweckt, das Frühlingsopfer sei in der kleinsten Tänzerin gefunden, um dann damit zu überraschen, dass die beiden einzigen Männer des Ensembles dem Tod geweiht sind.