31.10.2010 – Heike Eickhoff / Westfälischen Nachrichten: Zurück bleibt ein Trümmerhaufen

Pressespiegel

 

31.10.2010 – Heike Eickhoff für die Westfälischen Nachrichten
Zurück bleibt ein Trümmerhaufen

Ein kleiner Tisch, die Fläche ist auffallend schief. Vorsichtig stellt Miet Warlop ein paar Sektgläser darauf – klar, die rutschen alle zur tiefer liegenden Seite. Ein Experiment in Sachen Erdanziehungskraft. Das Ergebnis überrascht nicht. Doch am Ende auf der Leinwand die Umsetzung als Video: Die Kamera steht ebenfalls schief, und der Betrachter sieht den Tisch als gerade Fläche, auf der Gläser wie von Geisterhand gesteuert wandern. Ein hübscher, aber doch schon etwas angestaubter Trick aus der filmtechnischen Schatzkiste der Stummfilmzeit. 
Miet Warlop und Hilde D´haeyere, die sich mit dem Projekt „Talkshow“ dem Slapstick verschrieben haben, kombinierten einen informativen und umfangreichen Text über Slapstick mit lebendigen Beispielen des Slapstick. So wurden die vielen Worte zu den stummen Filmen zur – zugegeben amüsanten – wissenschaftlichen Vorlesung. Mancher Gag wurde allerdings erst mit Aha-Erlebnis im Video deutlich, manchmal knallte und rauchte es auch sofort.

Da gab es beispielsweise leere Eierkartons mit einem blinkenden Rotlicht, neben denen eine Hand im Affenkostüm eine weiße Kunststoffstange in einer Flüssigkeit am Boden auflöste. Abgefilmt sah man den Riesenaffen King Kong ein ganzes Hochhaus in den Boden drücken, während das flackernde Licht im Eierkarton und zugespielter Lärm eine Stadt in Panik suggerierten.

Die Sache mit dem 200 Meter langen roten Schlauch, mit Luft aufgebläht, war vielleicht technisch nicht perfekt gelungen, denn er wollte sich nicht in ganzer Länge zeigen. Aber schließlich wurde die Darbietung doch zu einem imposanten Schluss. Der Schlauch füllte den Raum unter einem wacklig anmutenden Holzgestell, auf dem Miet Warlop, begleitet von Knall und Blitz, nach unten auf den Schlauch kippte. Ein berühmter Filmsturz Buster Keatons wurde damit nachgestellt.

Am Ende entschwanden die Künstlerinnen, nachdem sie die Zuschauer großzügig mit Sekt versorgt hatten, überraschend von der Bühne – ohne den Beifall abzuwarten. Dem Publikum blieb nur der Blick auf den zurückgelassenen Trümmerhaufen.