27.09.2010 – Marian Schäfer / Westfälischen Nachrichten: Heiteres Beruferaten

Pressespiegel

 

27.09.2010 – Marian Schäfer für die Westfälischen Nachrichten
Heiteres Beruferaten

Adam Riese hat gesprochen, und am Ende klopfen sich alle auf die Schulter. Der Nebel der Selbstbeweihräucherung ist zum Schneiden: Münster, der Nabel der Welt! Das erste Konzert der Stones in Deutschland? Hier. Wo hat Goethe eine ganze Nacht auf einem Kneipenstuhl gepennt? Hier. Nach welchem Vorbild wurden die Arkaden am Petersplatz im Vatikan errichtet? Abgeguckt vom Prinzipalmarkt! Dass Günther Jauch hier geboren, Papst Benedikt hier drei Jahre gelehrt hat – nur eine Randnotiz in der ruhmvollen Stadtgeschichte.

Aber dies alles sind Punkte, die Nathalie Licard – als Praktikantin gestartet und mit ihren französisch-deutschen Anmoderationen und Außenreportagen bei der „Arald Schmidt Show“ bekannt geworden – ordentlich ins Schwimmen bringen. Der Auftritt bei der „Adam Riese Show“ im Theater im Pumpenhaus ist ihr erster Besuch in Münster. Kein Wunder, dass sie den Verleger Wolfgang Hölker beim Ratespiel zum „Moderator im Süpermarkt“ macht, H-Blockx-Mann Henning Wehland zum Zahnarzt („Der hat so schöne Zähne“) – und mit feinem Gespür Oberbürgermeister Lewe als „Freund vom Sarkozy“ enttarnt.

Adam Riese – silberner Anzug, rot-weiß gestreiftes Hemd, knallrote Krawatte und auf Hochglanz polierte rote Lackschuhe – ist an diesem Abend die Reinkarnation des jungen Harald Schmidt. Und zum Glück nicht mit Manuel Andrack als Sidekick ausgestattet, sondern mit Markus Paßlick von der „Pumpernickel“-Showband, der meistens frech, hin und wieder aber auch hilfreich ist, wenn der rote Riese mal den Faden verloren hat.

Der Talk mit der „Schmollmund-Französin“ (Programmtext) ist der letzte von drei Akten. Nacheinander holt sich Riese seine Gäste auf die graue Couch. Als Erste wird Romy Camerun vorgestellt, die von 1983 bis 1993 in Münster gelebt, viele Studiengänge angefangen und abgebrochen und mit ihrer jazzigen Stimme vor allem die Blechtrommel, das Odeon und die Destille beglückt hat. Heute lebt die international bekannte Jazzsängerin in Bremen, arbeitet als Dozentin an Hochschulen und mit Jugendlichen aus sozial schwachen Familien in Projekten. Die Kommunalpolitik Münsters auf jeden Fall ist weit weg: CDU-Mann Richard Michael Halberstadt sortiert sie bei der Linken, den Grünen Winni Nachtwei spontan bei der Piratenpartei ein.

Bleibt der bullige Hans-Martin Stier: Eine Stimme, so rau wie die See, die er ab dem 17. Lebensjahr sechs Jahre lang mit der Handelsmarine durchkreuzt, auf der er Schafe von Australien nach Arabien und Whiskey von Schottland nach Amerika gebracht hat. Stier lebte von 1974 bis 1983 in Münster, erschuf mit der „Törner Stier Crew“ so legendäre Titel wie „Monster, Blut und kleine Mädchen“. 1977 hat er zudem versucht, nach einem Konzert die Kugeln in den Aasee zu rollen.

Seit vielen Jahren ist er nun als Film- und TV-Schauspieler erfolgreich, steht aber mit „Stier“ wieder auf der Bühne. An diesem Abend stellt er sein neues Album „Reden“ vor. Dabei steht ihm Romy Camerun zur Seite. Zusammen stimmen sie „Ain´t no sunshine when she´s gone“ an, bevor der Saal sich erhebt und in die Nacht entschwindet, den Termin der nächsten „Adam Riese Show“ im Hinterkopf.

» Die nächste Talkrunde mit Adam Riese findet am 28. November statt.