17.08.2010 – Martina Döbbe / Westfälischen Nachrichten: Schauspieler als „Patienten“ der Intensivstation

Pressespiegel

 

17.08.2010 – Martina Döbbe für die Westfälischen Nachrichten
Schauspieler als „Patienten“ der Intensivstation

„Dr. House“, Fernseharzt und Diagnostik-Genie bei RTL, macht Sommerpause. Tugsal Mogul, Anästhesist, Notarzt und Theaterregisseur in Münster, sucht dagegen unermüdlich nach Antworten. Als schauspielernder Insider hat Mogul die Notfallmedizin bühnenreif gemacht – mit großem Erfolg und viel Publikum (das BBV berichtete). Jetzt arbeitet er mit seinem „Theater Operation“ an einem neuen Projekt.

Auf Leben und Tod

Arbeitstitel: Intensivstation. Eine Klinikabteilung, die Außenstehenden verschlossen bleibt. Dort, oft an der Schwelle zwischen Leben und Tod, hängen Menschen an Maschinen, kämpfen Ärzte um Patienten, betreuen Schwestern Kranke bis zum letzten Atemzug. Aber viele schaffen auch den Schritt zurück ins Leben. Was haben sie auf dieser Gratwanderung erlebt? Was haben sie gefühlt? Gehört? Geträumt? Hatten sie Angst? Schmerzen?

Für Mogul sind das spannende Fragen. Mögliche Antworten darauf will er auch anderen nahebringen. Also schlüpfen seine Schauspieler, die zuvor als „Halbstarke Halbgötter“ begeistert haben, in die Rollen von Patienten. Und bereiten sich darauf ganz besonders vor: Jeder von ihnen hospitiert drei Tage lang im Universitätsklinikum Münster. „Eine tolle Chance, sich intensiv auf diese Rolle vorzubereiten“, sagen Stefan Otteni und Agnieszka Barczyk. Dafür sind sie dankbar, möchten aber bloß keinen großen Wirbel daraus machen: „Wir sind hier die Lernenden“, stellen sie klar.

Was auch bedeutet, dass diese Vorbereitung den Schauspielern sehr viel abverlangt. Denn sie erleben in diesen drei Tagen alles mit, was auf der Station 19a im Ostturm und auf der 10a im Westturm passiert. Sie sind berührt von jener Frau, die täglich 100 Kilometer weit fährt, um nur bei ihrem Mann zu sitzen. Sie sind beeindruckt von den Schwestern und Pflegern, von deren Leistung, Kraft und Einsatz.

Tugsal Mogul hat in den vergangenen Wochen vorbereitende Gespräche geführt: mit Patienten, die die Intensivstation wieder verlassen konnten. Die ihr „zweites“ Leben bewusst wahrnehmen und bereit sind, in ihre Zeit auf der Intensivstation persönliche Einblicke zu gewähren. Wie haben sie das Erwachen erlebt? Woran können sie sich erinnern?

Zu Wort kommt beispielsweise eine Patientin, die eine Herztransplantation durchgemacht hat. Und ein Patient, der eine Hirnblutung überlebte. Die Schauspieler sehen sich als „Paten“, die diese persönlichen Schicksale zeigen. Und sie werden auf der Bühne darstellen, wie es auf der Intensivstation zugeht: an Monitoren und Schläuchen hängend, im Bett liegend. Die Premiere in Münsters Pumpenhaus ist für den 24. November geplant.

Das Ensemble erklärt: Mit diesem Stück wollten sie den Patienten eine Stimme geben und keine erfundenen, sondern realistische Situationen darstellen. Dabei soll aber nicht medizinische Hightech im Vordergrund stehen, sondern eher eine religiös-philosophische Betrachtung.

Auch diese Erkenntnis: Auf der Intensivstation ist jeder gleich. Die Akteure sagen: Dort zählten nicht Geld, Ansehen, Alter: „Es geht um die Grenzsituation eines Menschen. Es geht um Leben und Tod.“ Da würde selbst „Dr. House“ nicht widersprechen.