09.08.2010 – Martina Döbbe / Westfälischen Nachrichten: Arzt und Schauspieler: Tugsal Moguls neues Projekt

Pressespiegel

 

09.08.2010 – Martina Döbbe in den Westfälischen Nachrichten
Arzt und Schauspieler: Tugsal Moguls neues Projekt

Münster – Die Tür zur Intensivstation, sie ist stets verschlossen. Dort, oft genug auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, hängen Menschen an Maschinen. Kämpfen Ärzte um Patienten. Halten Besucher die Hand eines lieben Angehörigen. Betreuen Schwestern junge und alte Kranke oft bis
zum letzten Atemzug.

Aber viele schaffen ihn auch – den Schritt zurück ins Leben. Was haben Betroffene erlebt auf dieser Gratwanderung? Was haben sie gefühlt? Gehört? Geträumt? Hatten sie Angst? Schmerzen? Für Tugsal Mogul sind das spannende Fragen, auf die er eine Antwort sucht. Und anderen Menschen nahebringen möchte. Der Schauspieler und Regisseur, dem als Anästhesisten in der Raphaelsklinik die Intensivstation absolut vertraut ist, arbeitet mit seinem Theater Operation an einem neuen Projekt. Arbeitstitel: Intensivstation. Und die Schauspieler, die schon in der vorherigen Produktion als „Halbstarke Halbgötter“ begeisterten, schlüpfen nun in die Rollen von Patienten. Und bereiten sich darauf ganz besonders vor: Jeder von ihnen hospitiert drei Tage lang im Universitätsklinikum
Münster. „Eine tolle Chance, sich intensiv auf diese Rolle vorzubereiten“, sagen Stefan Otteni und Agnieszka Barczyk übereinstimmend. Dafür sind sie dankbar, möchten bloß keinen großen Wirbel aus ihrem Dasein auf den Stationen machen: „Wir sind hier die Lernenden.“

Eine Vorbereitung, die den Schauspielern aber auch sehr viel abverlangt. Denn sie erleben in diesen drei Tagen alles mit, was auf der Station 19 a im Ostturm und auf der 10 a im Westturm passiert. Sie sind berührt von der Frau, die täglich 100 Kilometer fährt, um einfach nur bei ihrem Mann zu sitzen. Sie sind beeindruckt von den Schwestern und Pflegern, von deren Leistung, von deren Kraft, von deren Einsatz.

Tugsal Mogul hat in den vergangenen Wochen schon vorbereitende Gespräche geführt mit Patienten, die die Intensivstation wieder verlassen konnten. Die ihr „zweites“ Leben bewusst erleben und bereit sind, über ihre Zeit auf der Intensivstation ganz persönliche Einblicke zu geben. Wie haben sie das Wachwerden erlebt? Woran können sie sich erinnern? Eine Patientin, die eine Herztransplantation erlebt hat, kommt zu Wort. Ein anderer, der eine Hirnblutung überlebte. Die Schauspieler sehen sich als „Paten“, die diese ganz persönlichen Schicksale zeigen – und sie werden auf der Bühne darstellen, wie es auf der Intensivstation zugeht: an Monitoren und Schläuchen hängend, im Bett liegend.

Denn dieses Stück, das am 24. November Premiere im Pumpenhaus erlebt, will den Patienten eine Stimme geben, will keine erfundenen, sondern realistische Situationen übermitteln. Dabei steht nicht medizinisches Hightech im Vordergrund. Eher religiös-philosophische Betrachtungen – und auch die Erkenntnis: Auf der Intensivstation ist jeder gleich. Es zählten nicht Geld, Ansehen, Alter: „Es geht um die Grenzsituation eines Menschen. Es geht um Leben und Tod.“