14.06.2010 – Arndt Zinkant / Westfälischen Nachrichten: Geisberg, der Münster-Kenner

Pressespiegel

 

14.06.2010 – Arndt Zinkant in den Westfälischen Nachrichten
Geisberg, der Münster-Kenner

Szenischer Essay „Papier und Stein“ von und mit Burkhard Spinnen und Cornelia Kupferschmid

Hindenburgplatz? Nein – „Geisbergplatz“ wäre viel besser. Und allemal angemessener. Mit diebischer Freude sticht Burkhard Spinnen ins Wespennest, wenn er den just wieder hochköchelnden Dauerstreit um den Hindenburgplatz mit seinem Protagonisten Max Geisberg verknüpft. Der münstersche Schriftsteller Spinnen hat sein neues Opus „Papier und Stein“ jenem Mann gewidmet, der sich wie kein zweiter um die historische Schönheit der Stadt verdient gemacht hat. Seit 20 Jahren befasst er sich mit Geisberg, dem Kunsthistoriker und langjährigen Direktor des Landesmuseums, der akribisch das historische Gesicht Münsters dokumentierte. Haus für Haus. Was von den Nazis als undankbarer Frondienst für den missliebigen Gelehrten gedacht war, wurde diesem zur Herzenssache.

Und Geisbergs „staubige Kunsthistoriker-Prosa“ wurde für Spinnen immer lebendiger. Sie inspirierte ihn (im Auftrag des Pumpenhauses) zu einem „szenischen Essay“, der am Sonntagmorgen mit rauschendem Applaus aufgenommen wurde. Im Landesmuseum, mit der Domkulisse im Rücken. Der Genius Loci mag den Autor und die Schauspielerin Cornelia Kupferschmid beflügelt haben, als sie ihren szenischen Disput ausfochten, der so gelehrsam wie unterhaltsam war. Beide treten in ihrer Rolle als Verfechter eines „Geisbergplatzes“ auf. Jenes Platzes, der im 18. Jahrhundert Neuplatz hieß und 1927 dem Reichspräsidenten Hindenburg gewidmet wurde. Den wollen viele schon lange vom Sockel stoßen. Ein Bürgerbegehren soll´s endlich richten (wieder so ein heißes Münster-Eisen!). Doch Spinnen, der Spiritus rector, weiß, dass Bürgerbegehren die „unangenehme Tendenz“ haben, Stellvertreterkriege anzuzetteln. Überhaupt sind ihm all die pfiffigen Marketing-Ideen seiner Mitarbeiterin „Frau Kupferschmid“ eher suspekt. Die aber weiß, dass die junge Bevölkerung mit abstrakten Argumenten nicht zu gewinnen ist. Da braucht´s den griffigen Slogan „Ohne Geisberg kein schönes Münster“. Und coole T-Shirts sind auch schon gedruckt („Hindenburg? Nein danke!“).

 

Spinnen würzt die Essay-Form geschickt mit der richtigen Prise Humor und schafft es, die Faszination für Geisberg zu vermitteln. Der wusste, dass „sein“ historisches Münster schon völlig umgemodelt und kaputtrenoviert war. „Er hat den Zahn der Zeit bei der Arbeit gesehen“ – in 30 Jahren eine Zerstörung erkannt, die der Luftkrieg nur noch vollendete. Doch ist es seiner Akribie zu danken, dass das heutige Münster dem mittelalterlichen „Original“ viel näher kommt als das von 1942. Da war der Prinzi ein „Architekturmuseum“, das von der Gotik bis zum Expressionismus alles verpantschte.