14.06.2010 – Petra Noppeney / Westfälischen Nachrichten: Sehniger Körper zuckt in Krämpfen

Pressespiegel

 

14.06.2010 – Petra Noppeney in den Westfälischen Nachrichten
Sehniger Körper zuckt in Krämpfen

Ko Murobushi präsentiert sein Tanzstück „Quick Silver“ im Pumpenhaus

Der Körper steckt in einem viel zu großen dunklen Anzug. Hände und Füße lugen silbrig hervor. Der Kopf ist verhüllt mit einem dünnen Tuch, das das Gesicht darunter nur schemenhaft erkennen lässt. „Hallo“, spricht der Tänzer von der spärlich beleuchteten Bühne in den Raum. Der Rest an Worten bleibt unverständlich im Intro zum Tanzabend „Quicksilver“ mit Ko Murobushi in der „Statements“-Reihe im Pumpenhaus.

Murobushi, der Tänzer aus Tokyo, gilt als radikalster Minimalist der japanischen Tanzkunst namens „Butoh“, die sich mit „Dunkler Tanz“ übersetzen lässt und sich allen Schönheitsidealen westlicher Prägung widersetzt. Am Ende des mit 45 Minuten sehr kurzen Tanzabends wird sich Murobushi auf dem Boden winden wie ein Wurm, er wird winseln und wimmern. Eine Art von Ästhetik, die gewöhnungsbedürftig ist, aber auch etwas Magisches hat.

 

63 (!) ist der Mann, der nur aus Muskeln und Sehnen zu bestehen scheint und dessen Choreografie „Quick Silver“ ganz auf seinen durchtrainierten Körper zugeschnitten ist. An Requisiten gibt es nur zwei silberne Bleche, eins hängend, eins liegend. Ersteres erzeugt Klänge wie ein Gong, wenn Murobushi mit den Händen darauf schlägt und hämmert. Zudem entstehen irre Lichtreflexe, weil das Blech schwingt und es den Lichtstrahl des Scheinwerfers bricht.

Solch schöner Ästhetik versagt sich Murobushi fortan. Nur mit einem String bekleidet, liegt er auf dem Boden, angestrahlt von Schweinwerfern zur Linken und Rechten der Bühne. Fast scheint es, als ob er diesem Licht entkommen will, dieser silbrige Körper, der wie von Krämpfen durchzuckt wird. Dialog-Fragmente erklingen, als würde jemand permanent im Radio nach einem neuen Sender suchen. Wie ein Reptil wirkt Murobushi, wie ein kahlköpfiger Gnom, der immer wieder versucht, auf die Beine zu kommen oder in den Vierfüßlerstand. Doch stets knallt der Körper brutal zu Boden.

Fast verschämt nimmt Murobushi zum Dank eine Rose in Empfang. Und den verdienten Applaus des Publikums.