27.11.2009 – Anima e Corpo: Gerhard Heinrich Kock in den Westfälischen Nachrichten

Pressespiegel

 

27.11.2009 – Anima e Corpo: Gerhard Heinrich Kock in den Westfälischen Nachrichten
Ist das Leben ein Puzzle mit vielen Teilen?

Münster – Das Leben ist vieles, sicherlich auch ein Rätsel. Aber ob es auch ein Puzzle ist? Das neuste Stück von Manfred Kerklau indes ist auf jeden Fall ein Geduldspiel. Nicht während der Aufführung – im Gegenteil. „Anima e Corpo“ ist eher der Moment, in dem die vielen Teile aus dem Karton auf den Tisch geschüttet werden . . .Die Ecken des Inszenierung sind leicht gefunden: Musik von der Renaissance bis zu Amy Winehouse live vom Plattenteller, raum- und herzergreifender Tanz, alltägliche bis philosophische Texte sowie elf Charakter-Köpfe als Darsteller. Wie die alle miteinander verbunden sind und ob es sich überhaupt um dasselbe Puzzle handelt, weiß vermutlich niemand. Insofern ist Kerklaus Stück möglicherweise eine theatralische Parallele zum Leben selbst . . .

Jenseits logischer Schlüssigkeit entfacht vor allem das Ensemble ein Lebensfreude-Feuerwerk. Dabei soll das Thema eigentlich Vergänglichkeit sein. Allen voran tanzt Ursina Hemmi wie das Leben selbst. Mal unermüdlich solo, mal eine zauberhafte Verführungsjagd mit Schauspieler Carsten Bender oder durchs gesamte Ensemble wie ein göttlicher Funke. Das wiederum tanzt ebenfalls oft. Für die Senioren (im Alter bis zu 76 Jahren) spiegeln sich in den Bewegungen Erinnerungen, Sehnsüchte und Wünsche. Und sie artikulieren sie auch. Besonders anrührend spricht die Leopardenfrau mit einer Mädchenstimme, der die Jahrzehnte vielleicht Risse und Brüche zugefügt, aber nicht die Seele gebrochen haben.

Herzerfrischend ist die dreiköpfige Kindergruppe, die ein ums andere Mal mit unbefangenem Kichern das Publikum aus einer möglichen melancholischen Stimmung weckt. Oder auch ganz kinderleicht locker schmerzhafte Wahrheiten über die Lippen bringt – an die Ohren lebenserfahrener Menschen: „Heute wird einer geboren, morgen ist er futsch.“

Die Texte im Stück sind eine assoziative Mischung aus Listen, was man mag und nicht mag, wovor man sich ängstigt und was man sich wünscht. Der wild wuchernde Lebenswahn des Nirwana-Rockers Kurt Cobain ist mit dabei und ausgewogenen Weises aus dem Oratorium „Rappresentazione di Anima e di Corpo“ von Emilio di´ Cavalieri.

Das Stück endet irritierend mit der Behauptung aus Kindermund: „Das Gemeine am Leben ist, dass man alles richtig machen muss. Sonst ist es verpfuscht.“ Als zeige der Karton des Lebens, wie das fertige Bild aussehen muss. Letztlich aber ist jeder nur ein Teilchen in wie vielen Puzzles mit wie vielen Bildern auch immer.

» „Anima e Corpo“ ist an diesem Samstag und Sonntag sowie am Mittwoch (2. Dezember) um 20 Uhr im Pumpennaus, Gartenstraße 123, zu sehen. Karten: ‘ 23 34 43.