19.11.2009 – Von Vätern: Gerhard Heinrich Kock in den WN: Daddy Cool soll Wäsche waschen

Pressespiegel

 

19.11.2009 – Von Vätern: Gerhard Heinrich Kock in den WN
Daddy Cool soll Wäsche waschen

Münster – „Es war einmal . . .“ Wie ein Märchen beginnt das junge Theater Cactus seinen Abend über Papas. Doch nicht nur ein, zwei, nein ein Dutzend Darsteller krabbeln nacheinander aus einem Loch-Dunkel und türmen allerlei märchenhafte Vatergeschichten zu einem kakofonischen Nebel auf, der dem Publikum gleich klar macht: In der Familienlandschaft wabert „der Vater“ irgendwo zwischen Sumpf und Himmelssphären vor sich hin. Mit ihrer Produktion „Von Vätern“ pustet Regisseurin Barbara Kemmler frischen Wind ins Thema.

Dabei werden die Kronen der Schöpfung mächtig in die Zange genommen. Denn die Ansprüche zukünftiger Mütter sind groß: vor der Zeugung Körper, Kraft und Latin-Lover, am Morgen danach Geist, Weisheit und Bodyguard. Das muss man erst mal stemmen. Also mimen die Kerle bei Cactus auch den starken Mann, den Clown, den Daddy Cool. Dieser Aspekt der Stärke wird mit raumgreifenden Tänzen und Kämpfen (Choreografie Julio Eyimi Mangue) eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Aber so leicht lassen Kemmler und ihre jugendlichen Darsteller die Zuschauer nicht davon kommen. Denn dieser männlichen Seite steht eine weibliche gegenüber, eine fordernde, lockende, provozierende. Wie Aphrodite, Venus und Helena räkeln sich drei Grazien als Jury vor den Papi-Kandidaten, die sich im Casting mit Sex-Appeal, Geistreichem und Konzepten wacker schlagen. Das natürliche Dilemma zwischen Waschbrettbauch und Waschmaschine führt den Damen-Träumen ein Macho-Rap vor Augen: Ein Mister Super-Mann, der fasst den Müll nicht an.

Noch schlimmer aber, wenn der Vater abwesend ist – körperlich oder geistig. Er erscheint übergroß, wird ein glitzernder Alien. Drei Gestalten mit geometrischen Spiegelköpfen werden von den Jugendlichen wie Sphinxen befragt. Ein schönes, starkes Bild wie Mangel an realen Vätern in Kinderköpfen wirkt.

Viel Kritisches berichten die Söhne und Töchter, die potenziellen Väter und Ehefrauen im Pumpenhaus vom Untreuen, vom Rücksichtslosen, vom Grenzenzieher ( „Du musst“, „Du sollst“). Doch die Inszenierung ist zu komplex angelegt, als dass sie sich zum Tribunal verleiten ließe. Im Gegenteil: „O mein Papa, war eine wunderbare Clown“, wird wunderbar geschwärmt.

„Von Vätern“ ist ein kurzweiliger Einstieg, darüber nachzudenken. was der Vater bedeutete oder bedeutet. Und es nimmt vielleicht ein bisschen Erwartungsdruck vom Mannsbild. Eine Ahnung davon, welch ein Druck die Elternschaft bedeutet, könnten auch die jungen Darsteller empfunden haben. Wenn das Premierenfieber erst verklungen ist, werden sie vielleicht mit etwas weniger Druck und Tempo sprechen.