05.11.2009 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten: „Die Räuber“ verlaufen sich in Deutschland

Pressespiegel

 

05.11.2009 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten
„Die Räuber“ verlaufen sich in Deutschland

Münster. Wer ins Theater geht, der erwartet gemeinhin, dass die Einzelszenen zueinander passen, sich ein Gesamtkunstwerk ergibt. Nicht immer allerdings war das bei der Premiere von „Die Räuber“ im Pumpenhaus gegeben: Manches wirkte eher, als habe man zwei verschiedene Puzzles zusammengeschüttet und die Teile so lange beschnitten, bis sie aneinander passen – ohne jedoch ein einheitliches Bild zu ergeben.

Dabei war die Idee hinter dem Stück durchaus interessant: Zwei Wochen lang sind David Fischer, Justine Hauer, Manuel Klein, Andreas Meidinger und Harald Redmer durch deutsche Lande gezogen, haben sich auf den Weg von Bonn nach Leipzig gemacht und unterwegs die Begegnung mit Menschen gesucht. Diese Erlebnisse haben sie unter Regie von Frank Heuel mit dem Drama Schillers verquickt: So findet beispielsweise Amalia von Edelreich ihre Entsprechung in einer Prostituierten, die sich über ihre Probleme seit der deutschen Einheit beklagt.

Eigentlich ist man vom renommierten fringe ensemble/phoenix5 durchaus Ausgezeichnetes gewohnt. Doch diesmal? Immer wieder liefen die Handlungsstränge weit auseinander, bestand Gefahr, sich in Details zu verlieren – in der Handlung wie im Bühnenbild, in dem Unübersichtlichkeit herrschte. Neue und alte „Räuber“ griffen weder wirklich ineinander, noch rieben sie sich, eher war die Verbindung zwischen beiden – leider fast egal, zufällig, lief ins Leere. Zu wenig Angelpunkte, zu wenig Scharniere, die beides miteinander verbanden. Wer hier nicht textfest in den schillerschen Räubern war, befand sich in der Vermengung schnell auf verlorenem Posten, verloren in der Vielfalt.

Anderes schrammte nur haarscharf am Klamauk vorbei. Beispiel: Auf einer Tafel im Hintergrund war die Wanderung von Bonn nach Leipzig dokumentiert, daneben waren die Protagonisten aufgeführt. Karl aber bekam schnell ein Lagerfeld angehängt, Franz wurde zu Müntefering und Spiegelberg verkam gar zum Spiegelei. Und das, obwohl das Stück durchaus vor guten Einfällen strotzte, exquisit war in Einzelszenen – wie beim Imker mit Grammatikschwäche oder bei Harald Redmer, der sich als Bäcker dramatisch mit Mehl bestäubte, weil die DDR seinen Familienbetrieb ruiniert hat. Gut möglich, dass das Stück ohne die „alten“ Räuberszenen mehr Fahrt und Struktur gehabt hätte. Die schillerschen Einblendungen in der modernen Dokumentation einer Reise wirkten jedoch eher wie Ballast, der das Stück künstlich verlangsamte und Verwirrung stiftete. Das konnten auch alle kunstvollen Einfälle leider nicht richten.

VON MARIA BERENTZEN, MÜNSTER