15.03.2009 – Helmut Jasny /Münsterschen Zeitung: Blitzschlag-Theater „Direct Hit“ nach einer wahren Begebenheit

Pressespiegel

 

15.03.2009 – Helmut Jasny /Münsterschen Zeitung
Blitzschlag-Theater „Direct Hit“ nach einer wahren Begebenheit

Münster. In einer frühen Frankenstein-Verfilmung ist es ein Blitz, der die tote Kreatur zum Leben erweckt. Bei dem münsterschen Schauspieler Pitt Hartmann wäre es fast umgekehrt gewesen.
Im Sommer 2006 wurde er im Sauerland von einem Blitz getroffen und hätte den Gesetzen der Statistik zufolge eigentlich tot sein müssen. Nur die schnelle Hilfe und seine gute körperliche Verfassung haben ihn gerettet.
Aus dem Koma erwacht 
Seinen Weg zurück ins Leben beschreibt er in dem Stück „Direct Hit oder Klinik am Rosengarten“, das am Freitag im Pumpenhaus uraufgeführt wurde. Während die Szene aus dem Frankenstein-Film über die Leinwand flimmert, erwacht Hartmann aus dem Koma. Auf Nachtschränken, die wie Schiffsschaukeln vom Schnürboden baumeln, sitzen zwei Krankenschwestern (Babette Verbunt und Lea Bullerjan). Im Hintergrund wartet ein aufgebocktes Fahrrad, auf dem der Patient später dem Tod davonfahren wird.Vorher muss er aber erst einmal lernen, die Wirklichkeit von den Fantasiebildern in seinem Kopf zu unterscheiden. Der Direct Hit, wie ein direkter Blitzeinschlag im medizinischen Jargon heißt, hat nicht nur seinen Körper lahm gelegt, sondern auch mental einiges durcheinander gewirbelt.
Nosferatu spukt im Hirn
Aus Krankenberichten, Tagerbucheintragungen und Interviews mit Freunden entstehen bisweilen surreal anmutende Szenen. Erinnertes vermischt sich mit unmittelbar Erlebtem. Gregor Samsa, Hitler und Nosferatu spuken durch die Gedanken des allmählich Genesenden. Im Keller der Klinik proben Pygmäen ein neues Stück, und Hartmann, der Schauspieler, müsste eigentlich auch hinunter, wenn er nur endlich aus diesem Bett käme.
Totalabsturz
Die teils dokumentarische, teils fiktive Inszenierung entwickelt anschauliche Metaphern für die Unsicherheit, die jeder Existenz anhaftet. Auf eindrucksvolle Weise wird hier gezeigt, wie sich ein Mensch nach einem Totalabsturz neu programmiert. Das größte Verdienst von Regisseur Alban Renz und seinem Ensemble besteht aber darin, dass sie Betroffenheitspathos vermeiden, indem sie das Tragische immer wieder ins Komische driften lassen.
Weitere Termine: Mittwoch bis Samstag, 18.-21. März, jeweils 20 Uhr, Karten-Tel. (0251) 233443

www.pumpenhaus.de