10.03.2009 – Von Tina Dettmar, dpa: Pitt Hartmann verarbeitet seinen Blitzschlag

Pressespiegel

 

10.03.2009 – Von Tina Dettmar, dpa
Pitt Hartmann verarbeitet seinen Blitzschlag

Münster (dpa) Seine Fahrradschuhe haben Pitt Hartmann das Leben gerettet, als er vom Blitz in den Kopf getroffen wurde. Denn die Schuhe hatten Metall-Elemente unter der Sohle, die den Blitz abgeleitet haben.
Münster (dpa)Seine Fahrradschuhe haben Pitt Hartmann das Leben gerettet, als er vom Blitz in den Kopf getroffen wurde. Denn die Schuhe hatten Metall-Elemente unter der Sohle, die den Blitz abgeleitet haben.
«Ein direkter Schlag in den Kopf ist zu 99,9 Prozent tödlich, ich hatte großes Glück», sagt Hartmann am Dienstag in Münster. Im Sommer 2006 war der Schauspieler auf einer Straße am sauerländischen Sorpesee spazieren gegangen, als ihn der Blitz mit ein bis zwei Millionen Volt erwischte. Glücklicherweise überwachten Rettungsschwimmer den See und waren sofort zur Stelle. Trotzdem lag er danach zwei Wochen im künstlichen Koma. Über seine Erfahrungen hat er nun mit dem Münsteraner Regisseur Alban Renz das Theaterstück «Direct Hit oder Klinik am Rosengarten» geschrieben, das am Freitag in Münster uraufgeführt wird.

Dabei geht es vor allem um das langsame Erwachen aus dem Koma. «Ich hatte ein Wahnsinnsgefühl der Entwurzelung, war von der Hüfte an gelähmt und musste auch den Schluckreflex neu lernen», erinnert sich der 59-Jährige. Zudem litt er unter Halluzinationen und verworrener Wahrnehmung. «Ich hatte Unsicherheiten zu unterscheiden, was sind Fantasiegeschichten und was sehe ich real.»

In der Inszenierung nimmt Regisseur Renz unter anderem Videokameras und Beamer zu Hilfe, um die Verlorenheit des Patienten zu zeigen. Die Zuschauer blicken in dem rund einstündigen Stück abwechselnd auf ein karg eingerichtetes Krankenzimmer und in den Kopf des Schauspielers. Mit Hilfe schwarzer Vorhänge an den Bühnenrändern wird ein Tunnel erzeugt – und damit das Gefühl nachempfunden, das Hartmann nach dem Koma hatte. Ein Videofilm mit unscharfen Bildern symbolisiert beispielsweise, dass es dem 59-Jährigen zunächst nicht möglich war, scharf zu sehen und mit den Augen etwas zu fokussieren. «Die subjektive Wahrnehmung nach außen zu tragen, das macht Kunst auch aus», sagt Renz.

In dem Theaterstück werden Tagebucheinträge vor und nach dem Unfall sowie Arztberichte und Interviews mit Freunden und Angehörigen von Hartmann verarbeitet. «Das sind verschiedene Perspektiven der subjektiven Wahrnehmung der Leute», sagt Hartmann. Das Stück sei jedoch nicht traurig, sondern absurd, lustig und tragikomisch. Hartmann kann seine Erlebnisse nach dem «Direct Hit», so der medizinische Fachbegriff für direkten Blitzeinschlag, mittlerweile auch mit Humor sehen. «Die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffenen zu werden ist geringer als sechs Richtige im Lotto, aber ich hatte leider den Blitz.»

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