02.06.2008 – Günter Moseler in den WN: Mit Béla Bartók hinaus aufs Land

Pressespiegel

 

02.06.2008 – Günter Moseler in den WN
Mit Béla Bartók hinaus aufs Land

MÜNSTER. Béla Bartók, der größte Komponist Ungarns neben Franz Liszt, stapfte um 1920 mit einem Aufnahmegerät über die Felder, um sich von der Landbevölkerung Volkslieder vorsingen zu lassen. Auf den erhaltenen Aufnahmen sind die rauen Stimmen zu hören: etwas brüchig, aber mit zäher Energie die Melodielinie verfolgend.

Mit einem solchen Thema beginnt das Konzert der Band Transsylvanians im Pumpenhaus. Für die improvisierte Hommage an Bartók und ungarische Volkslieder perlt András Tiborcz Skalen am Klavier, während Akkordeon, Kontrabass und Gitarre melancholische Improvisationsloopings vollführen. Als noch im Epilog dieses Bartókschen „Abends auf dem Lande“ die Schlussakkorde wie Kirchenglocken schallen, scheint das viel beschworene dörfliche Ambiente für die Zuhörer in greifbarer Nähe.

Ein Tanz für jede Lebenslage
Liebeslieder, Trauerlieder, Wanderlieder, politische Lieder – für jede Gefühls- und Meinungslage haben die Transsylvanians Tanzrhythmen parat. Isabel Nagy steht neben dem Kontrabass wie eine kleine Schwester. Sobald sie mit ihrer hohen, vibratolosen Stimme zu singen beginnt, wird eine authentische Atmosphäre ungarischer Folklore spürbar.

„Ki Ki Ki“
Tonleitern, an die Silbenlängen angepasste punktierte Rhythmen, hartnäckige Einstimmigkeit und ein variables Metrum dominieren in einer Musik, die stolzer Ausdruck provinziellen Selbstbewusstseins ist. Im Song „Ki Ki Ki“ verzaubert Tiborcz zupfend seine Violine zu einer Mandoline, Hendrik Maaß liefert zum Zigeuner-Panorama Gitarrenblitze, und Thomas Leisner schnitzt mit Akkordeonskalen einen musikalischen Bilderrahmen. Ein schöner Abend mit großer Musik und ohne Schnick-Schnack.