19.05.2008 – Von Ronny von Wangenheim in den Ruhr-Nachrichten: Halbstarke Ärzte im prinz regent theater

Pressespiegel

 

19.05.2008 – Von Ronny von Wangenheim in den Ruhr-Nachrichten
Halbstarke Ärzte im prinz regent theater

Halbstarke Ärzte im prinz regent theater

BOCHUM. Ärzteserien beherrschen die Fernsehprogramme. Und das Theater? Am prinz regent theater erobern jetzt „Halbstarke Halbgötter“ die Bühne. Frei nach dem Motto: „Die Schilddrüse braucht noch Blut, die Galle kann nach Hause“.
Nach der Premiere kommt das Gastspiel in Bochum.
Im Zentrum steht ein OP-Tisch, auf dem schon 15 000 Kinder zur Welt kamen. Regisseur Tugsal Mogul bekam ihn von seinem Arbeitsplatz: der Raphaelsklinik in Münster. Mogul ist diplomierter Schauspieler und Arzt, arbeitet als Anästhesist in Münster. Und hat aus den Geschichten, die er erlebt hat und die ihm seine Kollegen erzählten, einen Theaterabend gemacht. Aber auch literarische Texte etwa von Tschechow sind eingeflossen. Gerade war Premiere im Pumpenhaus Münster, am Freitag (23.), 20.30 Uhr, ist das Gastspiel in Bochum.

Stück ist eine Theatermontage
Es ist eine Theatermontage, die Tugsal Mogul geschaffen hat, in der er seine Helden des Alltags kritisch zur Arbeit schickt: Die Gynäkologin (Carmen Dalfogo), die Assistenzärztin (Bettina Lamprecht), den Anästhesist (Stefan Otteni) und den Oberarzt der Chirurgie (Dietmar Pröll). Alle sind an ein EKG-Telemetrie-Gerät angeschlossen, so dass die Zuschauer an der Rückseite der Bühne die Herzfrequenzen der Schauspieler beobachten können. „Bei der Premiere ging der Puls schon mal auf 180“, lacht Mogul.

Echte OP zur Vorbereitung gesehen
Vorbereitet haben sich die Schauspieler nicht nur auf der Bühne. Mogul nahm sie in sein Krankenhaus mit, in den OP und ließ sie bei einer echten Operation zusehen.

Für den 38-Jährigen ist der OP ein sehr mystischer, heiliger Raum, ähnlich einer Kirche oder Moschee. Reinigungsrituale, die strengen Gesetze der Sterilität, der Respekt vor dem Patienten, die konzentrierte Atmosphäre – das sind Eindrücke, die er mit den Mitteln der Kunstform Theater ausdrücken wollte.

„Die Schilddrüse braucht noch Blut, die Galle kann nach Hause“
Dabei sieht er seinen eigenen Berufsstand Arzt nicht unkritisch. Die Sprache – „Die Schilddrüse braucht noch Blut, die Galle kann nach Hause“ – wird genauso thematisiert wie die permanente Überlastung der Ärzte, die 24-Stunden-Schichten, das Drogen- und Alkoholproblem bei Ärzten und Schwestern, der wahnsinnige Zeitdruck, der immer größer wird. Tugsal Mogul hat seine Kollegen, die bei der Premiere im Publikum saßen, genau beobachtet: „Sie kamen schon ins Nachdenken. Aber amüsiert haben sie sich auch.“