16.05.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung: Der Puls rast, die Spannung fällt

Pressespiegel

 

16.05.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Der Puls rast, die Spannung fällt

Die Halbgötter in Grün müssen ständig alles untersuchen.
Mit denen sie gegen Stress, Überforderung und Schlafmangel anzukämpfen versuchen. Später zeigen sie sich gegenseitig ihre Operationsnarben, stolz wie kleine Jungs, die ihre Trophäen präsentieren. Irgendwie, denkt man, sind sie doch Kinder geblieben. Trotz Studiums, Approbation und Riesenverantwortung.

Ohne Not in der Notaufnahme

Für seine „Halbstarken Halbgötter“ hat der Arzt und Regisseur Tugsal Mogul einen medizinischen Hörsaal ins Pumpenhaus gebaut. In der Mitte thront der Operationstisch, dahinter registrieren EKGs die Herzfunktionen der Schauspieler, deren Pulsschlag zeitweilig beängstigend steigt. Etwa, wenn sie von ihren Mammutdiensten berichten oder sich über Patienten echauffieren, die ohne Not in die Notaufnahme kommen. Anschließend schreiten sie zur Operation. Mit Skalpellen rücken sie dem Tisch zuleibe und entnehmen ihm allerlei Blutiges.

Die Situation des Arztes in all ihren Facetten ist Thema des Stückes. Dabei schlagen Carmen Dalfogo als Gynäkologin, Bettina Lamprecht als Chirurgin, Stefan Otteni als Anästhesist und Dietmar Pröll als Oberarzt vorwiegend kritische Töne an. Der medizinische Jargon, der den Menschen auf seine Krankheit reduziert, kommt ebenso zur Sprache wie der moderne Klinikalltag, der mit dem einst feierlich geleisteten Hippokratischen Eid nur noch wenig zu tun hat. Auch die körperlichen und seelischen Spuren, die der Beruf hinterlässt, werden nicht ausgespart.

Zu medizinisch

Doch trotz der Materialfülle zieht sich die Inszenierung etwas gleichförmig dahin. Das mag an der Sprache liegen. Die Geschichten werden im typischen Ärzteton erzählt, zu ausführlich oft und mit zu vielen medizinischen Fachbegriffen gespickt. Ohne eigene Klinikerfahrung, sei es diesseits oder jenseits der Bettkante, lässt schnell die Aufmerksamkeit nach. Man vermisst ein wenig die künstlerische Distanz, die nötig ist, um aus einem interessanten Stoff gutes Theater zu machen.