07.05.2008 – Sabine Müller in der MZ: Der Herr Doktor macht Theater

Pressespiegel

 

07.05.2008 – Sabine Müller in der MZ
Der Herr Doktor macht Theater

MÜNSTER Auf dem OP-Tisch haben mehrere tausend Frauen durch einen Kaiserschnitt ihr Kind bekommen. Vier Schauspieler stehen um ihn herum: grün bekittelt, Häubchen überm Haar, der Mundschutz lässt die Augen frei. Tugsal Mogul ist ihr Regisseur. Und er ist Arzt. Facharzt. Für Anästhesie und Notfallmedizin. Halbtags. In der Raphaelsklinik in Münster.
Nein, Tugsal Mogul ist nicht halb Arzt, halb Theatermann. Er ist ganz Arzt. Und ganz Theatermann. Denn beides hat er studiert: Medizin und Schauspiel. In Hannover. In Berlin übte er beide Berufe aus. Er arbeitete in der Chirurgie, in der Psychiatrie, in der Anästhesie und in der Notaufnahme. Im oft unbezahlten Urlaub stand er dann auf der Bühne.

„Halbstarke Halbgötter“
In Münster kann Mogul zum ersten Mal beide Metiers vereinen. Und er ist zum ersten Mal Regisseur. Aus all den Geschichten und Anekdoten, die er in seinem Arztleben von Kollegen gesammelt hat, hat er zusammen mit vier Schauspielern die Theatermontage „Halbstarke Halbgötter“ geformt. „All die absurden Geschichten, die man im Krankenhaus erlebt, kommen hier zusammen“, so Mogul. Die 24-Stunden-Dienste, die oft zu 28 Stunden-Diensten wurden. Die Bauchschmerzen, die Mogul vor Hunger hatte, weil der Krankenhausalltag wieder mal kein Mittagessen zuließ. Auch das große Tabu: Wenn Ärzte Fehler machen. Schauspielerin Bettina Lamprecht (bekannt als Comedydarstellerin bei Bastian Pastewka und Anke Engelke) erklärt, was am Theatermachen mit Mogul so anders ist: „Wir probieren nicht aus, wie etwas sein könnte, er weiß einfach, wie es tatsächlich ist.“

Uraufführung im Pumpenhaus
Und alle scheinen darauf gewartet zu haben: Die Uraufführung in Münsters Theater im Pumpenhaus ist fast ausverkauft. Und auch die Folge-Vorstellungen sind stark gefragt.

Die Bühne wird im Pumpenhaus zum Operationssaal. Für Mogul ein mystischer, fast religiöser Raum: „Dort herrscht eine Atmosphäre, wie ich sie sonst nur aus Kirchen oder Moscheen kenne.“ Ein heiliger Raum, wie er sagt, in dem die Gesetze der Sterilität eingehalten werden müssen, wo das Händewaschen wie ein Ritus vollzogen wird. Und wo die Schauspieler – ganz in echt – eine OP erleben durften. Ein Erlebnis, dass ihnen den „Respekt vor dem Arztberuf“ wieder klar gemacht habe. Weil ein kleiner Schnitt über Leben und Tod entscheiden kann.

Herztöne flimmern

Da kann das Herz schon mal höher schlagen. Und die Zuschauer werden es sehen: Die Schauspieler hängen während des Stücks an EKG-Geräten, ihre Körperwerte werden auf eine Leinwand übertragen. Die Geräte sind alle echt. Wie der OP-Tisch, auf dem so viele Frauen entbunden haben.

Premiere: 15. Mai. Weitere Termine: 16., 17., 18. Mai, jeweils 20 Uhr.