30.03.2008 – Arndt Zinkant in den Westfälischen Nachrichten: Götz Alsmann bei Adam Riese

Pressespiegel

 

30.03.2008 – Arndt Zinkant in den Westfälischen Nachrichten
Götz Alsmann bei Adam Riese

Münster – Die Nation scheint Talkshow-süchtig zu sein – auf sämtlichen Fernsehkanälen tummeln sich Dampfplauderer mit Prominenten, die aus ihrem Leben erzählen und en passant ihre Bücher und CDs anpreisen. Reicht das alles noch nicht?

Nein! Münsters Talk-Süchtige sind so unersättlich, dass viele bei der Kartenhatz für die „Adam Riese Show“ leer ausgingen; der Moderator konnte nicht umhin, in seiner Eröffnung charmant-süffisant darauf hinzuweisen. Die Pumpen-haus-Premiere seiner Show war ein voller Erfolg – obwohl (oder gerade weil?) sie sich damit begnügte, bewährte Elemente von Harald Schmidt abzukupfern.

Andererseits: Wer wäre nicht gern live dabei, wenn sogar einem alten Entertainment-Fuchs wie Götz Alsmann die Spucke wegbleibt, weil sein alter Spezi Adam ein Video der Flegeljahre aus dem Hut zaubert? Götz in alten „Odeon“-Tagen, dessen Tolle noch nicht zur Höchstform auflief, der in Zeiten von Punk den vermeintlich „jugendgefährdenden“ Rock’n’Roll zelebriert! Da schlägt sich der ganze Saal auf die Schenkel, wenn solche Nostalgie-Bomben auf der Leinwand zünden.

Alsmann kalauert entspannt wie selten, quasi mit Heimvorteil, wenn er sich auf dem gelben Krukenkamp-Sofa mit Riese die Bälle zuspielt: Hauptbahnhof („ist das Bahnhofsklo!“), Münster-Dönkes und Götzis Weigerung, in den Siebzigern ein Hippie zu werden. Sogar seine „zentralasiatische“ Hüte-Sammlung hat der Mann dabei!

Und zumindest zweierlei hat Adam Riese dem Late-Night-König Schmidt voraus: Wirkliches Interesse an seinen Gästen und eine wirklich tolle Band. Gäste mit Münster-Bezug sind außer Alsmann noch die Popsängerin Nikola Materne und Hilla Stadtbäumer, Redakteurin bei der „Sendung mit der Maus“ (deren Titelmusik natürlich von Markus Paßlicks Band, den „Original Pumpernickeln“ knackig intoniert wird). Mit Nikola Materne singt Götz ein jazzig-süffiges Duett, greift dabei beherzt zu seinem Akkordeon („Heimweh-Kompressor“), muss sich jedoch beim Münster-Quiz Hilla Stadtbäumer geschlagen geben. Die ist studierte Zoologin, genau wie Percussionist Paßlick, der früher Gags für Harald Schmidt schrieb und die Kollegin nun Vogellaute raten lässt. Alles nett und launig.

Doch obwohl Adam Riese ständig witzelt „Hier gibt’s keine Kameras!“ – wenn Materne ihre CD hochhält und Alsmann sein Hörbuch, dann ist die TV-Verkaufsmaschine ganz nah. Die Show im Pumpenhaus ist durchaus ein Triumph der alten Maxime: Besser gut geklaut als schlecht erfunden.