13.03.2008 – Charismatische Tänzer / WN über Olga Pona

Pressespiegel

 

13.03.2008 – Charismatische Tänzer
WN über Olga Pona

Münster. Nackte Rücken krümmen sich im Takt zu sphärischen Klängen. Ein bloßer Körper liegt auf einer Bare, wird nach oben und unten gekippt und vermessen wie ein Stück Ware. Den Rücken zum Publikum gewandt, spielen Tänzer mit glitzernden Miniatur-Planeten und verführerischen Äpfeln. Dabei wirken sie wie traurige Clowns, die sich ihren Träumen hingeben.

Es sind starke, geradezu poetische Bilder, die das russische Chelyabinsk Contemporary Dance Theater im Pumpenhaus zeigte. „Celestial Bodies“ – „Himmelskörper“ – ist denn auch der Titel von Olga Ponas Choreografie, die bereits kurz nach ihrer Weltpremiere in Münster zu sehen war.

Olga Pona und ihre Tanzcompany sind eine Ausnahme-Erscheinung in Russland. Im Gegensatz zum klassischen Ballett ist zeitgenössischer Tanz dort immer noch eine Seltenheit, erst Recht in Chelyabinsk, Industrie-Metropole am Ural und Heimat der gelernten Traktoringenieurin sowie ihres 13-köpfigen Ensembles. Erfolge feiert die Truppe, die bereits mit der begehrten Goldenen Maske ausgezeichnet worden ist, sowohl national als auch international.

Mit ihrer neuesten Produktion beweist die Company wieder einmal ihre Qualität, die sowohl in starker, persönlicher Ausdruckskraft der Künstler liegt, wie auch in choreografischen Szenen im Spannungsfeld zwischen Kapitalismus und post-sowjetischer Enge.

In „Celestial Bodies“ sind dies Individuen, die Schwerelosigkeit suchen. Soli, Duette und Trios sind geprägt von Artistik, hohen Beinen und Körpergliedern, die gen Himmel streben, bis sie schließlich tatsächlich in einem skurrilen Fahrstuhl nach oben gezogen werden.

Im zweiten Stück des Abends, „Audrey“, das Olga Pona gemeinsam mit der Tänzerin Maria Greyf erarbeitet hat, wird klar, dass der Westen durchaus auch kritisch betrachtet wird. Die zarte, präzise wie charmant tanzende Greyf bringt nicht nur das Ideal des Leinwandstars Audrey Hepburn auf die Bühne, sondern stellt auch persönliche Schattenseiten dar. Zu russischen Klängen formt die charismatische Tänzerin Audreys Katze aus Knetgummistreifen und füllt die Figur mit Milch. Dann benetzt sie ihren nackten Oberkörper damit und wälzt sich in rosa Federn, so lange, bis sie diese wieder herauswürgen muss – Ruhm hat seinen Preis. Herzlicher Applaus für eine hervorragende Vorstellung.