06.12.2007 – Ole Cordsen in den Westfälischen Nachrichten: Kuriose Chronik eines Jahrgangs

Pressespiegel

 

06.12.2007 – Ole Cordsen in den Westfälischen Nachrichten
Kuriose Chronik eines Jahrgangs

Münster. Sein Bühnen-Outfit hat zwei Dekaden auf dem Buckel. Es passt noch immer. In erdbeercreme-farbenem Jackett und Rüschenhemd schlenderte Adam Riese am Mittwochabend auf die Bühne des Pumpenhauses. Unter dem Titel „Was macht eigentlich . . .“ warf er muntere Blicke auf Münsters Kultur-Szene der 80er Jahre und die Weiter-Entwicklung von deren markanten Köpfen. Es war ein Spagat zwischen Heute und der guten alten Zeit, als in den Nachbarwohnungen von Münsters legendärem Club „Odeon“ noch die Wände wackelten und das Pumpenhaus in schwer durchschufteten Monaten von Abwasser-Rohren befreit und zur freien Bühne umgebaut wurde.
Seit Jahren spürt Adam Riese in seiner Freizeit Hunderten von Werdegängen nach und sammelt sie im World Wide Web. Im Pumpenhaus durchsauste Riese fast 30 Lebensläufe. Erzählte von Chris Posch. „ChriPo“ mischte in den 80ern als freier Künstler und gefürchteter Kritiker den Kunst-Betrieb auf, heute lebt dieser in Berlin-Kreuzberg und bietet Buddhismus-Seminare mit hochrangigen Lamas an.
Von Josef Zutelgte wurde bekannt, dass der Künstler bis vor drei Jahren in seinem Restaurant „Pfiff“ die Gäste bekocht hat – direkt am einstigen World Trade Center in New York. Rossi Handsley hingegen verkaufe nun Bonsai-Bäume in Köln – nach Jahren als Kamerafahrten-Experte im Filmgeschäft.
Schringo van den Berg, die einst „langsamste Thekenkraft der Welt“ habe Drehbücher mit Helge Schneider geschrieben und erfinde als Gag-Schreiber heute viele der Bilderrätsel für die Sendung „Zimmer frei“. Oliver Froning, der als „DJ Raw“ die Plattenteller kreisen ließ, hat mit dem Techno-Pop-Projekt „Dune“ Ende der 90er Jahre weltweit fast eine Dreiviertel-Million Platten verkauft und ist nun Systemberater für Musik-Software in Ibbenbüren.
Längst vergessen geglaubtes Film-Material grub Adam Riese bei Yvonne Berger aus und zeigte einen Konzert-Werbestreifen für Bergers Band in dem sie mit Strumpfhose und Turnschuhen Rock’n’Roll durchs Wohnzimmer tanzt, in ihrem angeblichen Arbeitszimmer abgeschnittene Schlipse von Fans präsentiert und am Ende unter der Dusche frohlockt. Erst jetzt erfuhr Adam Rieses Mutter Christel, dass der Film einst in ihrer Wohnung gedreht wurde.
Viele der damaligen Galionsfiguren in Münsters Szene hatten sich höchstselbst eingefunden. So wandte sich der Showmaster wie eine lebende Zeitmaschine und Gedächtnis-Stütze grinsend unter anderem an den Schauspieler Pitt Hartmann im Publikum: „Falls Du Dein Leben vergessen haben solltest, ich habe es Dir mal aufgeschrieben.“|www.adamriese.info