30.11.2007 – Isabell Steinböck, Westfälische Nachrichten: Jung, chaotisch und originell

Pressespiegel

 

30.11.2007 – Isabell Steinböck, Westfälische Nachrichten
Jung, chaotisch und originell

Münster. Mit weichen, fließenden Bewegungen durchmisst die Tänzerin den Raum. Schnell und spannungsgeladen ist die Choreografie, die ihr Partner mit rasanter Akrobatik kommentiert. Auf raumgreifende Sprünge folgen auf dem Kopf gedrehte Pirouetten, Tanzstile vermischen sich in einem rasanten Mix aus B-Boying (Breakdance) und dynamischem, zeitgenössischen Tanz.

„Extended Teenage Era“ heißt die Produktion von Samir Akika, die im Pumpenhaus uraufgeführt wurde. Der ehemalige Pina Bausch-Tänzer und Absolvent der Folkwang-Schule widmet sich in seinem Tanztheater, das unter anderem mit dem Pumpenhaus koproduziert wurde, der jungen, westlichen Generation. Besetzt mit hochkarätigen Tänzern erzählt sein Renegade Theatre von (Alb-)Träumen und Visionen Jugendlicher, die, komisch-verzweifelt, nach Handlungsanweisungen und Ordnungsprinzipien suchen, um ihr Leben in den Griff zu bekommen. Was dabei künstlerisch mit Tanz, Theater und der Einspielung von Videosequenzen entsteht, ist ein Potpourri von absurden Szenen, das die junge Generation mit einer großen Portion Selbstironie ins Visier nimmt, gesellschaftliche Schwächen ebenso wie wirtschaftliche Probleme entlarvt und gerade dadurch amüsiert. Etwa, wenn von den „Frühstückern“ die Rede ist, die den Brunch zum Kulturgut erheben – natürlich nur mit Laptop. Oder wenn Ulrike Reinbott von ihrem rudimentären Bad schwärmt und Dawna Dryhorub mit übertriebenem Sprachgestus und Lehrer-Miene erklärt, wie man sittsam und ordentlich an einem viel zu kleinen Tisch sitzt.

Den Rahmen bildet die Selbstdarstellung der Tänzer als sympathisch-chaotische Künstler, die ihre Bühne im Stil einer Wohnungsrenovierung permanent umbauen und dem Publikum als so genannte „B-Besetzung“ einen vergnüglichen Abend jenseits bedeutungsschwerer Sinnzusammenhänge wünschen. Langweilig wird es tatsächlich nie: Schauspielerische Komik wechselt mit hervorragendem Tanz, der zu wummernden Bässen ebenso passt wie zu Franz Schuberts klassischer Musik. Für das Bühnentanzprogramm, das Jugendliche anzieht gab es begeisterten Applaus.