28.11.2007 – Helmut Jasny in der MZ – Tanztheater: Bloß nicht erwachsen werden

Pressespiegel

 

28.11.2007 – Helmut Jasny in der MZ
Tanztheater: Bloß nicht erwachsen werden

Wenn jemand während der Vorstellung fotografieren, den Platz wechseln oder mit seinem Nachbarn flirten wolle, möge er sich keinen Zwang antun. Nur, bitte schön, solle man auf keinen Fall versuchen, irgendeinen Sinn in dem zu finden, was sich auf der Bühne abspielt.

Darauf weist Samir Akika im Prolog zu seinem neuen Tanztheater „Extended Teenage Era“ ausdrücklich hin. Am Wochenende wurde es mit großem Erfolg in Münsters Pumpenhaus uraufgeführt.

Auf der Bühne sieht es aus wie im Hobbykeller eines Heimwerkers. Während ein Teil der Darsteller sich in Tanz und Schauspiel ergeht, bastelt der Rest aus Pappe und Brettern die Requisiten für die nächste Szene. Es sind Sandkastenspiele, bei denen es um die Verteidigung der Jugendkultur gegen die Welt der Erwachsenen geht. Das macht sich auch in der Musik bemerkbar, wenn Klassik mit Reggae konkurriert oder wenn der Papst beim Ratespiel gegen Michael Jackson antritt.

Anti-Tomaten-Demo

Jedes Alter ist ein gefühltes und die daraus resultierenden Lebensentwürfe sind zwangsläufig relativ. Das verdeutlichen die Darsteller, indem sie mit großartiger Geste Szenarien entwickeln, um sie dann in einem Akt von Banalität ad absurdum zu führen. So können sich zwei im zärtlichen Paartanz bewegen, während ein dritter mit monotoner Stimme Arbeitsanweisungen für die Bühnentechniker vorliest. Auch ein unermüdlich kreisender Demonstrationszug gegen Kordhosen und Tomatenschalen zielt in diese Richtung.

Samir Akika und sein hochkarätig besetztes Ensemble verbinden zeitgenössischen Ausdruckstanz mit Breakdance und lateinamerikanischen Standards und führen das Ganze zu einer aufregenden Synthese. Mit hinterhältigem Witz und sich ständig steigernder Betriebstemperatur demonstrieren sie, was modernes Tanztheater vermag, wenn man keine Angst hat, Genres zu überschreiten, und sich auch sonst nicht um Konventionen kümmert.