18.10.2007 – Nacht ein – Nacht aus

Pressespiegel

 

18.10.2007 – Westfälische Nachrichten, Markus Küper am 19.10.07
Nacht ein – Nacht aus

Nacht ein – Nacht aus
Münster. Nachts sind schon längst nicht mehr alle Katzen grau. Auch wenn die Konturen verschwimmen unter Manna Horstings gedämpften Mollklängen am Klavier. Unter ihrer besänftigenden Serenade der verträumten Töne erwachen drei Geschöpfe wie Nachtschattengewächse und machen die Nacht zum Tag. Sie wachen, während das Haupt der Pianistin im nachtschwarzen Tüllkleid längst erschöpft auf die Tasten geplumpst ist.

Schlaflos im Pumpenhaus: Dank „VierPlus“ bekommt die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang eine Stimme, eine Melodie, einen Soundtrack. Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Realität – sie verschwimmen in „Nacht 3_6_9“ wie die Trennungslinien zwischen den von nächtlichen Großstadt-Bildern illuminierten Gazestreifen. Denn zwischen boomender Nachtkultur, liberalisierten Öffnungszeiten und der Flexibilisierung unserer Arbeitszeit wird der Alltag mehr und mehr auch zur Allnacht. Davon können der Nachtschwärmer, die Nachtschichtlerin und die Schlaflose wunderbar tagträumen. Nachts, wenn Fantasie und Realität verschwimmen wie Traum und Wirklichkeit in der Scheinwelt jener Schundromane, mit denen sich die immerwache Bankangestellte (Silvia Schwab) allabendlich vergeblich in den Schlaf zu träumen versucht.

Mit geradezu somnambuler Sicherheit taucht das Theaterensemble um Regisseurin Nelly-Thea Köster ein in eine faszinierende Dämmerzone. Wo fledermausartige Sinnsucher (Carsten Bender) sich experimentierend in die Nacht flüchten und einsame Nachtwächterinnen (Vera Molitor) beim allnächtlichen Rundgang mit der Taschenlampe von Zweisamkeit und Sonne träumen. Nacht ein, Nacht aus.

Dass dieses Nachtstück aus den Dämmerregionen menschlicher Psychen nicht zum verschnarchten Tagtraum wird, dafür sorgt vor allem seine aufgeweckte Komik. Denn düstere Melancholie liegt diesen Nachtwandlern ebenso fern wie die Sonne dem Mond. Erst recht, wenn sich ihre Schicksale am Ende auf seltsame Weise in bizarren Phantasmagorien begegnen.

Dann wird die groschenromansüchtige Graumaus vom Bankschalter zum engelsweißen Ritter der unverwundbaren Gestalt und der in die Nacht hinein lebende Sohn eines Würstchenbarons verkauft statt Würstchen Wissenschaft.

Dann steigert sich „Nacht 3_6_9“ ganz und gar ins Hyperbolische. Für soviel Traumtheater tauscht selbst der Tagmensch gern einmal das Sonnenlicht mit dem Kunstlicht. Also ab ins Kreativhaus, wohin sich das Nachtstück von „VierPlus“ am 17. November umbetten lässt.