10.06.2007 – „In Münster steht nur der Abklatsch“

Pressespiegel

 

10.06.2007 – Gerhard Heinrich Kock in den Westfälischen Nachrichten
„In Münster steht nur der Abklatsch“.

Münster. Timm Ulrichs ist ohne Zweifel einer der originellsten Köpfe der Kunstwelt und der Akademie. Jetzt macht er Party im Pumpenhaus und „Party“ in der Kunstwelt. Denn der Totalkünstler und emeritierte Professor eben jener Lehrstätte am Leonardo Campus fühlt sich als Opfer eines Plagiators und von Missachtung – ein Opfer mit Selbstbewusstsein . . . „In München ist das Großprojekt – in Münster steht nur der Abklatsch.“ Gemeint ist seine große Architekturskulptur „Versunkenes Dorf“. In Fröttmaning (Nähe Allianz-Arena) platzierte Ulrichs einen Doppelgänger aus Beton der allein verbliebenen romanischen Dorfkirche so im Müllberg, dass das Bauwerk teilweise im Erdreich verschwindet. In Münster hat Guillaume Bijl einen Turm in ein Erdreich versenkt. Dass ausgerechnet Bijl auch einen Turm einbuddelt, wurmt Ulrichs besonders: „Er hat mich bombardiert mit Briefen als er Professor werden wollte, und jetzt kennt er mich nicht mehr . . . Wenn das bei der Bundeswehr passierte wäre, würde man das Kameraden-Diebstahl nennen.“ Er sei maßlos enttäuscht. „Ich habe nie jemanden wissentlich kopiert“, hält er sich zugute. Es könne Gleichzeitigkeiten geben. Aber wenn beide Künstler aus dem gleichen Haus kommen und die Ateliers sogar nebeneinander liegen . . . Sein Selbstbewusstsein gegenüber seinem mutmaßlichen Plagiator hat Ulrichs nicht verloren: „Künstlerisch tangiert mich Bijls Projekt nicht. Mein Projekt ist nicht zu toppen.“ Aber es scheint ihn zu wurmen, dass nun die internationale Kunstwelt nach Münster kommt und Bijls Werk für originär hält. Auch die Beteiligung zweier Professoren an den Skulptur-Projekten findet er befremdlich. „Ich muss nicht dabei sein. Aber früher wurde immer gesagt, es darf kein Künstler aus Münster teilnehmen“ – wegen des klüngeligen Beigeschmacks. Dass seine Kontaktbemühungen mit Bijl vergeblich sind und der Rektor der Akademie Maik Löbbert ihn quasi der „Nestbeschmutzung“ bezichtigte, schmerze. Er arbeite seit fast 50 Jahren als Künstler, engagiere sich seit 30 Jahren für den Künstlernachwuchs und habe wohl mehr als 300 junge Künstler ausgebildet. Einige davon werden sicher zur Wiederauflage der legendären Timm- Ulrichs-Party mit der Uraufführung des Films „Versunkenes Dorf“ kommen – am morgigen Freitag ab 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Der Eintritt ist frei.