29.04.2007 – Der rote Elvis und sein Comeback

Pressespiegel

 

29.04.2007 – 
Der rote Elvis und sein Comeback

Münster/Berlin (dpa). Die Erinnerung an den Amerikaner Dean Reed, den singenden Cowboy und Weltverbesserer, den „roten Elvis der DDR“, verblasste zuletzt zusehends. Von 1972 bis zu seinem Freitod 1986 lebte der US-Schauspieler und Sänger in der DDR, war Exot und Star zugleich. Derzeit erlebt der einst im Ostblock gefeierte vorzeige-Amerikaner in Drehbüchern und Dokumentationen eine Art spätes Comeback. Nach einem Dokumentarfilm über Dean Reed jüngst auf der Berlinale, dem für diesen Sommer angekündigten Kino-Streifen von und mit Oscar-Preisträger Tom Hanks hat sich nun das kleine Theater „Pumpenhaus“ in Münster (Nordrhein-Westfalen) an den ungewöhnlichen Lebenslauf gewagt und am Freitagabend eine Uraufführung auf die Bühne gebracht. „OstCowboy – Das rote Wunder Dean Reed“ erzählt die Geschichte des einst umjubelten Sängers, der sich der Liebe wegen in der DDR niederließ: wie er seinem Vaterland, das ihn später zum Deserteur erklärt, den Rücken kehrt, wie er als Sänger in Südamerika Fußballstadien füllt, an der Seite von Chiles Präsident Salvador Allende und später mit DDR-Staatschef Erich Honecker als „Bote für den Weltfrieden“ auftritt. Das Zweipersonen-Stück (Inszenierung: Paula Artkamp, Harald Redmer) über den „unbekanntesten Superstar aller Zeiten“ aber will mehr. Hauptdarsteller Roger Trash, Sänger, Komponist und Texter aus Münster, fühlt sich als „Seelenverwandter“ Reeds und verfolgt schon seit Jahren dessen Spuren. In seiner Doppel-Bühnenrolle als nüchterner Erzähler der Vita und gleichzeitig Abbild des DDR-Mimen werden – musikalisch verstärkt – auch Zerrissenheit, Widersprüche und Tragik des US-Sonderlings im Sozialismus deutlich. „Die Kluft zwischen Anspruch und Realität, das verbindet Dean Reed mit der DDR – bis zum Ende“, heißt es in dem rund einstündigen Bühnenstück. Dem Duo Trash und Serge Corteyn an der E-Gitarre gelingt es, die Brüche des Künstlers „ohne Talent“ (Trash) und romantisch verklärten Menschen Dean Reed aufzuzeigen: mit Übertreibungen, romatischen Statements und mehrfachen Wiederholungen ein und derselben Szene. Eingefasst werden die Dialoge, fiktiven Texte, O-Töne und alten Reed-Songs von einer Leinwand. Dort flimmern in schwarz- weiß mal der Stadienauftritt vor tausenden Fans in Argentinien und mal Reed Gitarre spielend mit Palästinenserführer Jassir Arafat. Eine weitere Hintergrund-Einspielung zeigt Reed als angehimmeltes Pop- Idol auf Berlins Straßen und die Fahnen schwenkende DDR-Jugend. Allerdings: In Münster – sehr weit westlich der einstigen deutsch- deutschen Grenze – dürfte es das Stück schwer haben. Der Name Dean Reed ist in den alten Bundesländern wohl nur wenigen ein Begriff. Auch war die Uraufführung in dem rund 130-Plätze-Haus nicht ganz ausverkauft. „Mehr Dean Reed-Songs wären schön gewesen. Die kennt man ja auch hier“, lautete so das Urteil einer Zuschauerin. Und vielleicht verhilft der weltweit bekannte Amerikaner Tom Hanks dem zuletzt kaum noch bekannten Amerikaner Dean Reed wieder ins Rampenlicht.