11.04.2007 – Hartmann ist der „Totmacher“

Pressespiegel

 

11.04.2007 – 
Hartmann ist der „Totmacher“

Münster. Pitt Hartmann ist der „Totmacher“. Aber ist er auch „Der beste Mensch von Hannover?“ Was die schauspielerische Leistung angeht: ja, ohne Frage. Ansonsten kämpft die neue Produktion im Pumpenhaus vor allem gegen das Image an, ein Remake zu sein. Was ihr nicht immer gelingt. Acht Jahre nach dem sensationellen Erfolg der Freuynde-und- Gaesdte-Inszenierung spielt Hartmann erneut den Massenmörder Fritz Haarmann, der Anfang der 20er Jahre in Hannover 24 jungen Männern die Kehlen durchbiss. Textgrundlage sind damals wie heute die authentischen Protokolle jener Gespräche, die der Psychiater Prof. Ernst Schultze 1924 mit Haarmann führte – und auch die Spielorte sind nicht unähnlich: Der Keller des Pumpenhauses hat genug Gefängnisatmosphäre, und mit 25 Zuschauern ist der Raum so dicht wie damals der Zwinger. Also die gleiche Ausgangslage – und gerade deshalb versucht es Regisseur Andreas Ladwig mit einem ganz anderen Konzept: mehr Inszenierung. Kostüme, Frisuren und Requisiten im Stil der 20er Jahre, Musik und indifferente Klänge, dazu eine Abfolge zahlreicher Szenen: Mörder und Psychiater sitzen am Tisch und unterhalten sich, ein tiefschürfender Satz fällt, zack, Licht aus, neue Szene. Das wirkt mitunter wie in einer Sitcom, lachendes Publikum inklusive. Und man wünscht sich, der Regisseur würde seinen Hauptdarsteller öfter ausreden lassen. Denn Hartmanns Haarmann hat viel zu sagen. Zwar hat Andreas Ladwig eine andere, knappere Textauswahl getroffen, aber für ein solides Psychogramm reicht es. Beängstigend virtuos spielt Pitt Hartmann das winselnde Würmchen zwischen Mitleid heischender Armseligkeit und lauernder Dämonie. Und das Publikum sieht sich in der Haut des überforderten Psychiaters, der über die Zurechnungsfähigkeit eines netten Monsters befinden muss, mit seinen stochernden Fragen aber nicht weiterkommt. Andreas Ladwig spielt selbst den verklemmten Professor, und zwar mit erheblich höherem Textanteil als seinerzeit Zeha Schröder. Aus dem Monolog des Mörders wird ein Dialog, und das tut der Sache nicht unbedingt gut. Zwar gelingt es Ladwig überzeugend, eine Entwicklung darzustellen: Die anfängliche Schärfe des angewiderten Gutmenschen weicht allmählich einer resignierenden Sympathie. Aber bitte: Wer will wissen, wie es dem Psychiater Schultze geht? Die Rolle des „besten Menschen von Hannover“ wird beschnitten, und das ist schade. Nichts für ungut: Hartmann spielt Haarmann – das fordert zwangsläufig einen Vergleich heraus, der zugunsten der älteren Produktion ausfällt. Dennoch ist auch Andreas Ladwigs Fassung der Haarmann-Protokolle spannendes, professionell gemachtes, heftig beklatschtes Kammertheater. Hingehen! Von Mittwoch bis Sonntag (14. bis 18. März, 4. bis 8. April)