27.09.2006 – 1:0 für die kunstinteressierten Deutschen

Pressespiegel

 

27.09.2006 – 
1:0 für die kunstinteressierten Deutschen

Letztes Jahr wurden den Choreografen und Regisseur Hans Tuerlings mit seiner Gruppe Raz die Subventionen der Regierung gestrichen. Tuerlings aber schlug zurück mit zwei brillianten letzten Vorstellungen Nieuwe Blijdschap (2004) und Vrolijke opvattingen (2005), aber die Mühlen des Beamtentums drehten weiter. Jetzt ist Tuerlings zurück. Als Freelancer koproduziert er mit Theatern aus dem deutschen Münster, Krefeld und Herne seine neue Produktion Wunschlos glücklich. Jede Szene beginnt mit ein paar einzelnen Sätzen von Tänzer Jim Barnard. Manchmal sagt er etwas über alle Veränderungen, die Tuerlings durchstehen musste (er lässt lediglich die Einsamkeit aus), dann wieder kündigt er eine CD an oder rezitiert aus einem Film. Oder er erzählt von Tuerlings Besuch auf einer Kirmes, wo ihm ein Wahrsager prophezeit: The ones that are responsible will soon be all dead. Wunschlos glücklich ist wie eine philosophische Übung eines Zustandes, in dem man kein Verlangen mehr hat, nichts mehr muss und man alles so nehmen kann wie es kommt. Für das Theater wäre dies der Tod, schließlich sind Konflikte und unerfüllte Wünsche die Antriebskraft des Theaters. Tuerlings bespielt gerade das Paradoxum von Ernst und Ironie, NIchtssagenheit und Bedeutung, Form und Formlosigkeit. Wunschlos glücklich ist deshalb keine einfache Vorstellung wie aktuelle Vorstellungen von Raz. Der Zuschauer muss tief im düsteren und mysteriösen Universum, das aufgeworfen wird, graben. Und doch ist die Eigensinnigheit von Tuerlings wieder ein Beweis dafür, dass die niederländischen Politiker nicht hinterherkommen. 1:0 für die kunstinteressierten Deutschen.