29.03.2006 – Westfälische Nachrichten. Le Cadeau: Das Geschenk.

PRESSESPIEGEL

29.03.2006 – Westfälische Nachrichten
Le Cadeau: Das Geschenk.

Münster. Ein Hund liegt auf der Bühne. Er heißt Pinky und wurde als Geschenk nach Afrika geschickt. Aber braucht man in Afrika Hunde? Und ist es eklig, wenn die Menschen dort das mitgeschickte Hundefutter einfach selbst essen? Diese und andere Fragen werden in „Le cadeau: das Geschenk“ gestellt – beantworten muss sie der Zuschauer selbst, und viele werden auf dem Rückweg vom Pumpenhaus darüber nachgedacht haben. Nach einer fulminanten Premiere bei der RuhrTriennale 2005 war nun die kongolesisch- deutsch-französische Koproduktion als einmaliges Gastspiel auch in Münster zu erleben. So exotisch wie die Herkunft sind auch der Inhalt und die Medien, mit denen gearbeitet wird. Neben den sechs Schauspielern spielen Marionetten eine nicht unwichtige Rolle – Pinky ist ebenfalls eine der Strippen gesteuerten Holzpuppen, lebensecht hüpft und tollt er über die Bühne. Auch die Dialoge sind alles andere als herkömmlich, die Übersetzung der teilweise französischen und lingalischen Dialoge geschieht auf der Bühne als Teil der Handlung, witzig und mit Augenzwinkern. „Das Geschenk“ ist eine Satire auf das Kolonialherren-Denken Europas; Kritik, die es in sich hat. Es wird eine kleine Geschichte über eine französische Prinzessin und ihren afrikanischen Brieffreund erzählt. Sie schenkt ihm zum Geburtstag per Post einen Hund, und er weiß nicht, wie er ihn ernähren soll, hat er doch selbst kaum zu Essen. Zwischendurch schaltet sich eine selbst ernannte Expertenrunde in die Erzählung ein, und erörtert die Handlung. Diese Diskutanten halten den eigentlich Hohlspiegel in der Hand: Eine Strickjacken-Ethnologin, die afrikanische Spiritualität wirtschaftlich nutzen möchte, übersetzt den flammenden Unabhängigkeitsappell einer Afrikanerin, wird dann jedoch unterbrochen, weil man ja den Klang der fremden Sprache gerne ohne Zwischentöne genießen möchte. Wenn die französische Königin dann noch in die nickende Runde die Lage beurteilt, bleibt bei den Worten „Als wir noch Kolonien hatten, liefen die Sozialsysteme wunderbar!“ manches Lachen kratzend im Halse stecken. Satire, die ins Schwarze trifft – nichts ärgert mehr.