29.03.2006 – Münster Connection aus der Filmwerkstatt

PRESSESPIEGEL

29.03.2006 –
Münster Connection aus der Filmwerkstatt

Sie sind kurios, bizarr, voller künstlerischem Anspruch oder einfach ein Urlaubsmitschnitt: Die Filme der Münster Connection haben Klasse. Alle elf Streifen junger Filmemacher aus der Region, die jetzt von der Filmwerkstatt im Pumpenhaus auf die Leinwand gebracht wurden. Als eine Fortsetzung des Filmfestivals 2005 im Kino Stadt New York gedacht, ist es mehr geworden, als schlichte Nachwehen des großen Bruders mit internationalen Gästen: In den jungen Köpfen aus Münster steckt Potenzial. Es sind Filme wie Revue von Sven Stratmann, die beeindrucken. Das Thema Sprache umspielt er in seinem schwarz-weißen Kurzfilm, ohne vieler Worte zu bedürfen. Hier lernen sich zwei in einem Café kennen, schnell lieben, doch dann weicht dem persönlichen Kontakt gesprochener Text auf einer Kassette. Das Paar spricht sich auf Band und geht mit großen Kopfhörern durchs Leben. Aus den Lautsprecherboxen kommt kein Ton. Rückfahrt heißt der Film von Paula Lichte, die Alkohol und Autofahrt kritisch in einen spielerischen Unfalltraum verwandelt, in dem sie den Kippschalter zwischen Realität und Vision umlegt. Protagonist Lars feiert Party mit seinen Freunden alle sind betrunken. Seine Freundin tanzt auf der Tanzfläche und winkt ihn herüber. Ein Traum beginnt: Lars lässt seine Freundin sitzen und fährt mit seinen trunkenen Freunden nach Hause. Auf der Landstraße gibt es einen schweren Unfall, Lars rinnt Blut aus dem Mund. Die Realität beginnt: Auf der Party winkt seine Freundin ihn herüber, er folgt ihr. Alle fahren nach Hause. Sie ist es, die den Fahrer warnt und den Unfall verhindert. Das Publikum im völlig überfüllten Pumpenhaus ist begeistert, zollt den Nachwuchs-Regisseuren reichlich Beifall. Oscar Stiebitz benötigte für seinen Film Promenaden kein Drehbuch. Er schwang sich aufs Rad, kurvte auf der Promenade um die Stadt. Der Zuschauer erlebt Wetterwechsel, eine rasante Fahrt zwischen Fußgängern und psychedelische Münster-Ansichten in grelle Farben. Humor gibts auch. Stefan Kreis setzt auf die Pointe: Take the money and run heißt sein Kurzfilm über eine Geldbörse, die nach einem Diebstahl dreimal den Besitzer wechselt, bevor sie durch Zufall wieder beim Eigentümer landet. Die Film-Abspanne verraten, wie eng verbunden die Münster Connection ist. Filmemacher tauchen als Regieassistenten oder Kameramann wieder auf.Sven Betting Freitag, 24. Februar 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Münster)