07.06.2010 – Arndt Zinkant / Westfälischen Nachrichten: Feurig geht der Dampfer unter

Pressespiegel

 

07.06.2010 – Arndt Zinkant in den Westfälischen Nachrichten
Feurig geht der Dampfer unter

Theater Titanick feierte mit dem 20 Jahre alten „Titanic“-Stück ein tolles Geburtstagsfest

Wie das mit der Titanic ausging weiß jeder: Sie ging unter. Die Kapelle soll bis zum Ende gespielt haben – doch ein fröhliches „Happy Birthday“ bekam der echte Ozeanriese seinerzeit nicht zu hören. Das bekam das münstersche „Theater Titanick“ vom Publikum gesungen, als das Erfolgsstück am Freitag- und Samstagabend vor viel Publikum und Prominenz aufgeführt wurde. 20 Jahre und 220 Aufführungen in vier Kontinenten hat der Klassiker und Namensgeber des münsterschen Erfolgstheaters nun auf dem Buckel. Das musste gefeiert werden, mit Mega Feuerwerk und Lust und Laune – dort, wo alles begann: am Ufer vor den Aasee-Kugeln.
Gegen 22 Uhr hatten sich Massen von Schaulustigen auf der Wiese versammelt; außerhalb der Umzäunung war das Spektakel gratis zu bewundern – da hatten die hinteren Reihen das Nachsehen: „Hinse-tzten!!“ wurde fortwährend skandiert, sogar als das Spektakel schon begonnen hatte. Tretboote mit Schaulustigen zogen indes vor dem Ufer gemächlich ihre Kreise, wurden jedoch plötzlich verdrängt: „Feuer-Boote“, die eine Art brennendes Indianerzelt geladen hatten, strebten zum Ufer (ein Teil des neu hinzuerfundenen Prologs). Mächtig dräute das Dampfersignal über den Aasee. Es ist die Drei-Mann-Band, die mit ihren atmosphärischen, meist burlesken Klängen die Handlung unter Dampf setzten wird: Gundolf Nandico, Jörg Steffens und Olaf Dix.
Dann geht es rund: Der Heizer wirft die Öfen an, überall züngeln Flammen empor. Hammerschläge tönen metallisch wie in Dolby Surround über den Platz. Der bucklige Käpt´n brüllt Befehle, Kellner und Küchenbullen wuseln herum (auch Theaterchef Uwe Köhler ist darunter), und riesige Metallgestelle wachsen empor. Dann fährt noch eine dralle Mamsell im Knattermobil vor: Leinen los! Clair Howells, vor 20 Jahren eine „Titanic-Hebamme“, holt viel Slapstick aus der Rolle. Was nicht nur am angeklebten XXL-Gesäß liegt.
Kaum hat der Dampfer abgelegt, gellt schon der Warnruf „Eisberg!!“ und „Titanick“ protzt mit Pyrotechnik, die sich gewaschen hat. Immer stärker werden die Wassermassen, die der Heizer bändigen muss. Da kann die erste Reihe auch mal was abkriegen („Iiiiih!“). Das ficht die Amüsiergesellschaft an Deck zunächst nicht an. Ein Spanferkel wird geschlachtet, in hohem Bogen fliegen Wurstscheiben ins Publikum. Dann kippt die Burleske in die Katastrophe: Rettungsboote klar! Die Takelage brennt, alle Darsteller sind klatschnass. Ein buckliger Kellner bringt die letzte Runde Sekt, und der Koch schneidet traurig sein letztes Gürkchen …