01.06.2010 – Marieluise Jeitschko im Westfalenspiegel: Oberste Liga

Pressespiegel

 

01.06.2010 – Marieluise Jeitschko im Westfalenspiegel
Oberste Liga

„Statements“ zum 25. Geburtstag

„Statements. Das Festival. Der Tanz. Das Theater. 25 Jahre Theater im Pumpenhaus“ steht unten auf der Vorderseite der Programmzettel. Eingeladen hat der rührige Geschäftsführer des unabhängigen münsterschen Produktions- und Aufführungszentrums, Ludger Schnieder, ausschließlich Künstler und Produktionen, „die ich persönlich mag“. Zum Glück für Münster: Der Globetrotter und passionierte Kulturmanager „mag“ nur oberste Liga. Der gebürtige Lüdinghausener studierte in Münster Publizistik, Germanistik und Soziologie , bereiste die Welt von New York bis Tokyo, gründete die Jugendtheatergruppe „Säge“ (Selm/Dortmund), betreute Produktionen der Ruhrfestspiele, sprach im WDR und filmte. Höhepunkt seiner Schauspielkarriere war die Hauptrolle in Adolf Winkelmanns Film „Die Abfahrer“, der 1979 den Bundesfilmpreis bekam. 1985 schloss sich Schnieder der Theaterinitiative Münter (TIM) an, Keimzelle des Theaters im Pumpenhaus, und entdeckte sein organisatorisches Talent. Inzwischen ist das hauseigene Ensemble aufgelöst, aber Schnieder zum international geschätzten Kulturmanager avanciert. Regelmäßig wird der dynamische, unkomplizierte Theatermacher europaweit als Juror und Kurator eingeladen, nimmt in Japan und in den USA Beratertätigkeiten für Tanzproduktionen wahr. In NRW gehört er dem Vorstand des Landesverbandes Freie Darstellende Künste und der Tanzproduzenten-Konferenz an.
Den Tanz entdeckte Schnieder Mitter der 80er Jahre. „Damals tat siach im Theater nicht viel“, erläutert er, „wohl aber im Tanz“. Kleinformatige Experimente und Avantgarde ziehen ihn an, eignen sie sich doch besonders für die herbe Intimität des 100-jährigen, einstigen Abwasserpumpwerks. Sein hochkarätiges Programm kann er durch die Zusammenarbeit mit anderen Koproduktionsstätten verwirklichen, etwa den Berliner Sophiensälen, dem Tanzhaus NRW (Düsseldorf), Pact Zollverein (Essen), Kampnagelfabrik (Hamburg) und Mousonturm (Frankfurt). Auch mit Münsters Städtischen Bühnen arbeitet er zusammen, vor allem bei Festivals wie jetzt gerade den internationalen Tanztagen (bis 5. Juni). International angesehen ist das Pumpenhaus durch Entdeckungen u.a. von heutigen Tanzstars wie Sasha Walz, Helena Waldmann, Samir Akika, Dumb Type aus Kyoto und Victoria aus Belgien. Das Theater Titanick, Regisseur Thorsten Lensing, Regisseurin Paula Artkamp und Schauspieler Pitt Hartmann wurden an der Gartenstraße groß. Das „Junge Theater Cactus“ hat hier sein Domizil.
Pünktlich zum Silberjubiläum stockte die Landesregierung ihren Zuschuss zum Pumpenhaus-Etat um 80 000 Euro pro Jahr für drei Jahre auf – jeweils zur Hälfte für die Sparten Theater und Tanz zu verwenden. Davon kann Schnieder auf lokaler Ebene Gruppen mit der Anmietung eines weiteren Proberaums am Hoppengarten fördern. Denn ein Drittel Raum, Zeit und Geld der rund 150 Vorstellungen pro Jahr gehören der münsterschen Theater- und Tanzszene. Schnieders „Statement“ einer Zukunftsperspektive: „Die nächsten 25 Jahre können nur so erfolgreich werden wie die ersten, wenn es Leute gibt, die daran glauben, die Künstler lieben und die das Publikum von ihren Lieblingen überzeugen können.