01.06.2010 – Helmut Jasny/ Münsterschen Zeitung: Optimismus aus der Dusche

Pressespiegel

 

01.06.2010 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Optimismus aus der Dusche

Skurrile Performance im Stadtweinhaus

Mit dem Optimismus ist ein bisschen wie mit dem Glauben. Entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht. Jakob Wren hat ihn eher nicht, wenn er von sich sagt, er sei „not exactly“ ein Optimist. Anders sein Kollege Pieter De Buysser, der den Pessimismus als modische Haltung eines satten Bürgertums geißelt und damit ex negativo seinem Hang zum Optimismus Ausdruck gibt.

Allerdings würde auch er nicht so weit gehen, alles himmelblau zu sehen. Vielmehr gelte es, einen kritischen Optimismus zu entwickeln. Und genau das versuchen die beiden in ihrer englischsprachigen Performance „Anthology of Optimism“, die sie am Sonntag beim Statements- Festival im Stadtweinhaus aufführten. Im Beisen mehrerer Vertreter des Kulturausschusses, die extra eingeladen wurden, schließlich habe das Thema politische Relevanz.

Als Grundlage dienen Bilder und kurze Texte von Künstlern, Politikern und Managern, die auf Anfrage ihre Sicht einens kritischen Optimismus eingeschickt hatten – unter ihnen der ehemalige belgische Premier Verhoefstadt, für den Optimismus eine moralische Pflicht ist, weil ohne ihn kein Fortschritt möglich sei. Ein anderer hat das Bild eines Vaters geschickt, der stolz seinen Jungen in die Kamera hält. Sind Kinder ein Grund optimistisch zu sein?

Wren und De Buysser behandeln das Thema durchaus seriös, brechen die Ernsthaftigkeit aber immer wieder durch satirische Einlagen auf. So macht das Publikum mit einer Optimismus-Maschine Bekanntschafft und mit einer Duschvorrichtung, die Optimismus in Form von Konfetti auf die Darsteller regnen lässt. Es gibt einen literarischen Gegenentwurf zu Voltaires „Candide“, optimistische Aphorismen und skurrile Hüpftanz-Einlagen.

Am Ende der ebenso unterhaltsamen wie nachdenklich stimmenden Performance haben Wren und De Buysser tatsächlich reale Beispiele für kritischen Optimismus ausgemacht. Mikrokredite gehören ihrer Meinung nach dazu, alternative Energien – und Barack Obama.