29.05.2010 – Dominique Snjka / Münsterschen Zeitung: Installation, Hörspiel und Theater

Pressespiegel

 

29.05.2010 – Dominique Snjka in der Münsterschen Zeitung
Installation, Hörspiel und Theater

„Hablamos Hiltrup“ feiert in der Alten Feuerwache Premiere

Deutsche will sie nicht sein. Über die sagt man, sie seien alle Nazis. Spanierin aber auch nicht: „Die Deutschen behaupten, Ihr seid alle Schweine, ihr wascht euch nicht.“
Gelächter in den Zelten und auf dem Rasen neben der Alten Feuerwache in Hiltrup, wo Bühne und Zuschauerraum verschmelzen: „Hablamos Hiltrup – Wir sprechen Hiltrup“ ist begehbare Installation, Hörspiel, Tanz und Konzert zugleich, eine Zusammenstellung von Erinnerungen und Vorstellungen der ersten spanischen Gastarbeiter, die in den 1960ern nach Hiltrup kamen, um bei Glasurit zu arbeiten. Sie waren auch zur Premiere des Stücks eingeladen. Die Idee zu der mehrteiligen Performance hatten die Hamburger Künstler Ella Huck und Markus Lohmann. Die Musik ist in Zusammenarbeit mit Jochen Reich entstanden (wir berichteten).

Momentaufnahme

An einem knorrigen Baumstamm in der Mitte baumelt an einer Kordel ein Transistorradio, aus dem Stimmen kommen – sie erzählen von Jugend, Liebe Arbeitswelt und Kommunikationsproblemen: „Papa, bist du so viele Jahre hier, und du sprechen so schlecht Deutsch.“
Es ist eine Momentaufnahme aus dem Lebensgefühl der Gastarbeiter: eine Mischung aus Fremdsein, Erwartung, Enttäuschung, dem Gefühl, der alten Heimat entrissen und in der neuen noch nicht ganz angekommen zu sein. Später wird jemand klagen: „Meine eigene Sprache habe ich verloren, Deutsch kann ich nicht so gut.“ Inmitten der Zuschauer, die auf dem Zeltplatz picknicken, beginnen drei Mädchen Flamenco zu tanzen.
„Die Frage ist, wie offen unsere Gesellschaft heute ist“, hat Ella Huck vor der Premiere gesagt. „Hablamos Hiltrup“ ist der Versuch, eine Antwort zu finden, nachdenklich zu machen, ohne sentimental zu werden.
Die Zuschaeuer strömen in die Alte Feuerwache. Concha (gespielt von Ella Huck), heute 83 Jahre alt, sitzt mit halb geschlossenen Augen auf der Bühne.“Wenn wir in eine Kneipe gingen“, erzählt sie, „nannten sie uns Spaghettifresser, weil sie dachten wir seien Italiener. Als ich etwas Deutsch gelernt hatte, sagte ich Kartoffelfresser zu ihnen.“

Heimat

Auf einem Bildschirm ist die Schülerband der Musikklasse des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums zu sehen, die live im ersten Stock des Museums spielt. Die Rythmen eingängig, eine Mischung aus spanischen Klängen und Popmusik. Es sind eigene Stücke, in denen die Schüler greifbar machen, was Heimat aus ihrer Perspektive bedeutet – „Sonne, Meer Freunde“. Vor dem Museum singt der MGV 1848 Hiltrup: altes deutsches Liedgut neu interpretiert, mit fünf musikalischen Porträts der Gastarbeiter.
Weitere Aufführungen sind heute, morgen und am 4., 5. und 6. Juni jeweils um 19.30 Uhr.