28.05.2010 – Julia Rox / Westfälischen Nachrichten: Die Suche nach dem Glück

Pressespiegel

 

28.05.2010 – Julia Rox für die Westfälischen Nachrichten
Die Suche nach dem Glück

Münster-Hiltrup – Gesprochen haben sie in Spanien. Gehört wird in Hiltrup. Einen kleinen Blick in ihr Seelenleben gewährten und gewähren sie. Weniger in das heutige, vielmehr beschäftigt die Vergangenheit, die sie geprägt hat. Mithilfe zweier verschiedener Sprachrohre werden ihre Gedanken, die sie in Interviews formuliert haben, transportiert.

Ella Huck und Markus Lohmann, die in und um das Hiltruper Museum die aufwändige multimediale Inszenierung „Hablamos Hiltrup“ durchführen (die WN berichteten), sind im Januar nach Spanien gereist, um ehemalige Gastarbeiter des Lackherstellers Glasurit zu interviewen.
Dort haben sie von den Zeitzeugen viel erfahren. Etwa über ihre Beweggründe, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre nach Deutschland zu kommen. Über ihre bei der Reise ins unbekannte Land gesammelten Erlebnisse. Über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Hiltrup. Auch ehemalige deutsche Mitarbeiter von Glasurit haben die aus Hiltrup stammenden Künstler zu ihren Erinnerungen an die ersten spanischen Gastarbeiter in Hiltrup befragt.
Aus sämtlichen Kommentaren hat der Hamburger Musiker Jochen Reich einen Zusammenschnitt erstellt. Dieser wird den Besuchern auf einem vor dem Museum installierten Campingplatz dargereicht. Biertische stehen als Sitzplätze bereit. Das Auditorium wird Teil des Projekts. Zwischen die Erinnerungen der Spanier und „Ur-Hiltruper“ ist deutsche Musik der Wirtschaftswunderzeit eingestreut. Eine beschwingte Atmosphäre macht sich breit.

Auf den Boden zurückgeholt werden sie durch teils bedrückende Einsichten der Spanier. Sie berichten von einer unwürdigen Anreise, Einsamkeit, harter Arbeit, Schwierigkeiten der Sprache und der Integration. So tönt es aus den alten Radios, die verstreut auf dem Zeltplatz stehen und Interviews und Musik mit einem dezenten Rauschen wiedergeben.

Doch es darf auch gelacht werden. Die Spanier beweisen Humor, berichten von schönen Begebenheiten. Eine spanische Arbeiterin: „Ja, für Amore brauchst Du keine Sprache!“ Schmunzeln im Publikum.

Später schlüpft Huck im Museum in die Rollen verschiedener Spanier, lässt sie berichten und aufleben. Zwischen Hucks Auftritten musizieren Achtklässler vom KvG: Sie spielen Stücke, in denen sie ihren Blick auf ihre Heimat darlegen. Abschließend folgt ein Auftritt des MGV Hiltrup.

Nach der Premiere sind viele Zuschauer angetan. „Sehr gut“, ist vielfach zu hören. Hablamos Hiltrup hat überzeugt. Auch Huck ist glücklich. „Es war ein super Publikum, extrem locker.“

Weitere Darbietungen zur Geschichte der spanischen Gastarbeiter gibt es dieses und nächstes Wochenende.