25.05.2010 – Gerold Marius Glajch / Westfälischen Nachrichten: Vorurteile werden weggetanzt

Pressespiegel

 

25.05.2010 – Gerold Marius Glajch in den Westfälischen Nachrichten
Vorurteile werden weggetanzt

Standing Ovations für „Welle: Asphaltkultur“ der Hamburger „Hip Hop Academy“

Fiebrige Vorfreude im Foyer. Weit über hundert Jugendliche sowie einige Erwachsene waren ins ausverkaufte Pumpenhaus gekommen. Im Rahmen des „Statements“-Festivals hatte sich die 20-köpfigeTruppe der Hamburger „Hip Hop Academy“ unter der Leitung des münsterschen Tänzers und Choreographen Samir Akika angesagt. An diesem Abend wurden einige gängige Vorurteile und Klischees über die heutige Jugend im Allgemeinen und die Hip-Hop-Kultur im Speziellen von der äußerst agil agierenden Theatertruppe geschlachtet. Natürlich mit friedlichen, künstlerischen Mitteln.

Selten reagierte die Öffentlichkeit mit solchem Misstrauen und massiven Vorwürfen auf eine Jugendbewegung wie beim Hip-Hop. Weltweit bekamen Eltern Panikattacken beim Anblick der Abziehbilder dieser Kultur in den Medien und bei der Wahrnehmung von ihren gereimten Botschaften. Dabei waren die Idole der Elterngeneration nicht weniger provokativ.
Die bunte Multikulti-Gruppe aus Mädchen und Jungen zwischen 13 und 19 Jahren, alle ausgestattet mit einer beachtlichen Spezialbegabung, tat gut daran, sich in ihrem Stück „Welle: Asphaltkultur“ inhaltlich nicht zu sehr aufzuhalten mit den Zerrbildern der Hip-Hop-Kultur. Sie zeigten einfach, wie sie denken und was sie können.

Das Stück war das Ergebnis aus der Arbeit des Sommercamps 2009. „Realness“, Echtheit, lautet ein eingefordertes Merkmal beim Hip­Hop. Und davon präsentierten die jungen Künstler sehr viel.

„Welle: Asphaltkultur“ spielt auf einer Straße, einem öffentlichen Platz. Von oben bedroht durch Überwachungskameras kauern die Jugendlichen auf dem Boden. Was man herumgehen lässt, ist kein Joint sondern ein Mikrophon, durch das jeder Mitwirkende die Vorstellung von seinem persönlichen Tod kundtut: „Ich werde sicher mal beim Shoppen tot umfallen“, vermutet eins der Mädchen selbstironisch. Ein Junge will sich lieber erschießen bevor er alt und krank wird. Der Kreis löst sich auf. Ab sofort gab es achtzig Minuten lang eine beeindruckende Performance aus Tanz, Rap und Gesang zu fetten Beats vom DJ. Solisten beeindruckten mit Beatboxing, Akrobatik, Scratching und Graffiti-Malerei. Ständig wechselnde Szenenbilder voller pulsierender Vitalität lösten sich ab mit Breaks, in denen offen geredet wurde über die zentralen Themen und Fragen von Heranwachsenden. In anderen Spielszenen brillierten die Darsteller mit parodistischen Einlagen. So viel Spaß und Realness belohnten die Zuschauer mit „Standing Ovation“.