25.05.2010 – Claus Röttig / Westfälischen Nachrichten: Furiose Fassaden-Show

Pressespiegel

 

25.05.2010 – Claus Röttig für die Westfälischen Nachrichten
Furiose Fassaden-Show

Kunst-Projekt „Spacing“ projiziert bunte Tanz-Welten auf die Außenhaut der Stubengasse

Es waren bereits viele Besucher an der Stubengasse erschienen, doch Till Botterweck warf einen skeptischen Blick Richtung Himmel. „Es ist eigentlich noch zu hell für unsere Projektion“, so der Mitinhaber und Art-Director von „Urbanscreen“. Die Firma aus Bremen hatte sich etwas Besonderes vorgenommen: Sie wollte auf der Fassade der Stubengasse mit Projektionen „neue Räume erschließen und mit den Wahrnehmungen spielen“. Doch um die richtige Wirkung des Projekts „Spacing“ für die rund 200 Zuschauer zu erzielen, müsse es nun einmal dunkel sein.

Also entschloss sich das Team kurzerhand, die anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Pumpenhauses anberaumte Vorstellung ein wenig nach hinten zu schieben. Das Warten wurde mit einer furiosen Show belohnt: Gleich drei Projektoren warfen die Bilder der drei Tänzer an die Wand – und spielten mit den Perspektiven und den roten Backsteinlinien der Fassade. So entstand unter anderem der Eindruck, als wäre einer der Tänzer durch ein Hotelfenster auf die Fassade geklettert oder eine Treppe heraufgestiegen – die es natürlich nicht gab.

„Das ist ja wie im Kino“, so eine der Zuschauerinnen. Da sorgten die Störungen durch eine Jugendgruppe, die sich zu Beginn der rund 15-minütigen Show, die bis in den frühen Morgen wiederholt wurde, an der Stubengasse breit gemacht hatte und lautstark grölend für Unmut sorgte, nur für kurzen Ärger. „Wir haben diese Art Kunst schon in verschiedenen Städten praktiziert, und es ist immer wieder spannend, was man aus einer Fassade machen kann“, so Botterweck.

Das Team, das aus sieben Leuten besteht, war unter anderem schon in Griechenland unterwegs und plant auch einen Abstecher nach England. „Es ist eine Kunstform mit einer eigene Aussage: Es soll die Sicht auf Theater und auch auf Architektur verändern“, erklärte der Art-Director. Um die Illusion perfekt zu machen, wurde nicht nur die rund 60 Meter lange Fassade der Stubengasse bespielt, „Urbanscreen“ hatte sogar Abdeckungen für die Fenster des Hotels nähen lassen, damit „der Schein der Hotellampen nicht stört“.

Nicht nur am Samstag, sondern auch am Sonntag wurde die Installation wiederholt. „Sie soll die Besucher unterhalten und erfreuen“, erklärte Botterweck. Die Installation sei ästhetisch sehr anspruchsvoll, so das Lob an die Darsteller. Den Gästen gefiel die Show, bei der gleich mehrmals dreidimensionale Räume durch die Projektionen erzeugt wurden. „Es ist sehr spannend zu sehen, was man aus einer Fassade machen kann“, erklärte Hans Gerhardus. Er sei eigentlich nur durch Zufall vorbeigekommen – und sofort von der Aktion begeistert gewesen. „Es macht einfach Spaß zuzuschauen, wie sich ein Gebäude entwickeln kann.“