25.05.2010 – Helmut Jasny / Münsterschen Nachrichten: Der Tanz des Käfers

Pressespiegel

 

25.05.2010 – Helmut Jasny in den Münsterschen Nachrichten
Der Tanz des Käfers

Tanz: José Navas erfreut das Publikum im Pumpenhaus mit seinen „Miniatures“

So schön und harmonisch geht es selten zu im Pumpenhaus. Normalerweise kennt man die Einrichtung an der Gartenstraße als Austragungsort experimentellen Theaters, das Schönheit entweder als Mittel der Ironie benutzt oder sie sonstwie künstlerisch bricht. Und dann kommt José Navas daher.
Er verwandelt die Bühne für gut eine Stunde in eine blühende Frühlingswiese, und alle haben Freude daran.
Sieben Lieder hat sich der in Venezuela geboirene und in Kanada lebende Tänzer und Choreograf für seine„Minitaures“ ausgesucht. Verträumte klassische Klavierstücke finden sich darunter, pathetische Opernarien, aber auch tändelnde Liebeslieder von Judy Garland. Ein Song reicht weit in die persönliche Vergangenheit des Tänzers zurück. Es ist eine Komposition des Kubaners Adolfo Guzman, bei der Navas spielerische Leichtigkeit mit südländischem Temprament in Einklang bringt. Mit diesem Lied habe ihm sein Vater einst das Pfeifen beigebracht, erklärt er und demonstriert, dass er seitdem nichts verlernt hat. 
Eleganz und traumhafte Leichtigkeit bestimmen auch die anderen Miniaturen. Die Figuren erinnern gleichermaßen an klassisches Ballett wie an modernen Ausdruckstanz. Weitausgreifende Arme, ein schlangenhafter Körper und exakte Beinarbeit verbinden sich zu einer persönlichen Hommage an die Schönheit des Tanzes. Es ist offensichtlich, dass hier jemand sein Handwerk perfekt beherrscht und darüber hinaus in der Lage ist, es in künstlerischen Ausdruck umzusetzen. Das funktioniert selbst dann noch, wenn sich Navas darauf beschränkt, die Pose einer Sängerin einzunehmen und deren Gesang in einer Art Playback mimisch zu begleiten.
Doch ganz ohne kleine Abstecher ins Experimentelle kommt auch dieses „Statement“ bei den internationalen Tanztagen Münster nicht aus. Zu einer verträumten Komposition für Klavier liegt Navas wie ein Käfer auf dem Rücken und lässt seine Arme und Beine gen Himmel zappeln – aber nicht als wolle er sich aus einer misslichen Lage befreien, sondern als sei dies der ihm gemäße Zustand. In einer anderen Szene bewegt er sich nackt und hinkend quer über die Bühne und wirkt dabei wie eine alternde Diva, die vom Scheinwerferlicht nicht lassen kann, auch wenn sie weiß, dass sie schon lange nicht mehr den Glanz dafür mitbringt.