22.05.2010 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Immer gleiche Szenen

Pressespiegel

 

22.05.2010 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten
Immer gleiche Szenen

John Moran stellte in der Ausstellungshalle „Bangkok“ vor

Das Stück beginnt in einer Berliner Küche und lebt von Geräuschen. Ein Tisch, zwei Stühle, drei Stufen, mehr brauchen John Moran und Saori Tsukada nicht, um ihre Umgebung hör- und sichtbar zu machen. Schritte, Stimmen, zufallende Türen tönen aus den Lautsprechern und erhalten durch die Darsteller Gestalt . . .

John Moran, bekannt als Protegé von Philip Glass und ehemals Komponist am Broadway, steht zuvor vor seinem Publikum und stellt sein künstlerisches Konzept vor: kleine Stücke – Porträts von seiner Nachbarin Saori. In seiner neusten vom Pumpenhaus finanzierten Produktion, die im Rahmen des „Statements“-Festivals zum 25-jährigen Bestehen in der Ausstellungshalle Zeitgenössische Kunst Münster zur deutschen Erstaufführung kam, begeben sich die beiden nach Thailand. So auch der Titel ihrer Performance: „John Moran . . . and his neighbour, Saori (in Thailand)“.
Ihre Handlung ist mangels Requisiten nicht immer eindeutig. Doch die Idee, eine Performance mit Geräuschen zu komponieren wie Musik, ist faszinierend, ebenso wie die Kunst der beiden, in immer neue Rollen zu schlüpfen. So sieht man John Moran gerne zu, wenn er affektiert eine weinselige Freundin mimt, die den brotlosen und verlassenen Künstler nach Bangkok schickt, weil es sich da so verrückt und preiswert leben lässt. Saori ist nämlich nach New York zurückgereist, um, ironischer Weise, in der Metropole Stille zu genießen.
John Moran hingegen bringt, gemeinsam mit Saori Tsukada in wechselnden Rollen, durch Schauspiel, Tanz und Filme stereotype Touristen-Eindrücke von Bangkok auf die Bühne: schnellen Straßenverkehr, Partyvolk und Rotlichtmilieu. Dazwischen taucht als roter Faden der von Massen verehrte König auf.

Inhaltlich passiert nicht viel: John lässt die Umgebung auf sich wirken, kontrastiert Thailand mit Europa und bandelt mit einer Prostituierten an, die ihn aus Eifersucht am liebsten töten würde und ihn an die Grenze zum Selbstmord bringt. Wesentliche Szenen werden durchgängig zwei, drei Mal wiederholt – ein mitunter anstrengendes Stilmittel, das mit Morans Hintergrund an Philipp Glass´ wiederholende Musik erinnert. Im Theater allerdings sucht man den Sinn dieser immer gleichen Szenen – so virtuos die beiden auch agieren.