22.05.2010 – Helmut Jasny / Münsterschen Zeitung: Eifersucht in Thailand

Pressespiegel

 

22.05.2010 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Eifersucht in Thailand

Theater: John Morans neues Stück

Acht Monate sind vergangen, seit der amerikanische Avantgardist John Moran und die japanische Tänzerin Saori Tsukada das Publikum im Pumpenhaus begeisterten. Damals standen Stationen aus Morans Leben auf dem Programm – von der Geburt in Nebraska bis hin zur Zusammenarbeit mit Uma Thurman und Iggy Pop.
Mit ihrer neuen Performance „John Moran and his neighbor Saori (in Thailand)“ gastieren die beiden jetzt in der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst. Und wieder geht es in erster Linie um John Moran, genauer: um die letzten sechs Monate, die er in Bangkok verbracht hat, nachdem sich Saori in ihr New Yorker Apartment zurückgezogen hatte.
Morans Kunst ist eine Mischung aus Pantomime, Hörspiel und szenischer Darstellung. Grob gesagt sieht es so aus, dass die Geräusche und Stimmen aus den Lautsprechern kommen, während die beiden die entsprechenden Bewegungen dazu machen. Der Zuschauer kann dann raten, was sich gerade abspielt. Manchmal ist das leicht, wie bei der Eingangsszene, in der Saori ihre Wohnung in Berlin auflöst, während Moran sie zum Bleiben zu überreden versucht. Oder wenn er in einer Bar den Tipp bekommt, er solle nach Thailand fahren, dort sei es „cheap and crazy“.
In Bangkok angekommen – Unruhen gibt es noch keine, sieht man vom Straßenverkehr einmal ab – helfen kleine Videofilme zum besseren Verständnis. Aber nicht immer. Wo, fragt man sich, kommt plötzlich die Frau her, die Moran in gebrochenem Englisch Eifersuchtsszenen macht, während sich Saori in Amerika eine entspannende Tasse Tee brüht und dabei so ziemlich alle Schränkeund Schubladen ihres Apartments geräuschvoll auf und wieder zu macht.
Moran kommt von der Musik und liebt es, komplexe Geräuschabfolgen in Einzeltöne zu zerlegen und neu zusammenzusetzen. Die ganze Inszenierung, erklärt er, sei in 72 Takte pro Minute gehalten, sodass man die einzelnen Szenen beliebig mischen könne. Er demonstriert es und erzeugt dabei ein Chaos, das immerhin noch interessant ist, wenn auch nicht mehr so faszinierend wie bei seinem Auftritt letztes jahr im September. Gut, denkt man, dass Saori wieder dabei ist, die mit ihrem natürlichen Charme der Aufführung über die eine oder andere Länge hinweghilft.