20.05.2010 – Klus Baumeister / Westfälischen nachrichten: 1 Volltreffer – 2x „geht so“ – 10 Nieten

Pressespiegel

 

20.05.2010 – Klus Baumeister für die Westfälischen nachrichten
1 Volltreffer – 2x „geht so“ – 10 Nieten

Was wurde aus den 13 Projekten, die 2004 in der Bewerbungsmappe zur Kulturhauptstadt standen?

„2010 ist bald – aber nicht übermorgen.“ So stand es seinerzeit in der 51 Seiten starken Bewerbungsmappe der Stadt Münster für die Europäische Kulturhauptstadt. 2010 ist jetzt, Essen ist Kulturhauptstadt und am heutigen 20. Mai jährt sich zum sechsten Mal der Tag, an dem Münster eine Abfuhr erteilt wurde. Die WN nehmen das zum Anlass, um noch einmal in die Bewerbung zu schauen und zu überprüfen, ob die eingereichten Projekte in diesem Jahr eine Rolle spielen.

»Projekt „Plan-Spiele/Polyphonie“:

 Das „Verhältnis von Stadt, Raum und Kultur“ sollte in zahlreichen Veranstaltungen näher beleuchtet werden. Das Projekt wurde nicht realisiert. Die von Münster- Marketing veranstalteten „Münster-Morphosen 2009“ zeigten, in welche Richtung es hätte gehen können.

»Projekt „Verbotene Früchte“:

 

Das Kulturhauptstadt-Team wollte Münster mit einem „internationalen kulinarischen Fest des guten Geschmacks“ beglücken, um die Stadt als „Zentrum eines landwirtschaftlich geprägten Umlandes“ zu stärken. Daraus ist nichts geworden.

» Projekt „Uni goes public“

2002 organisierte die Uni unter diesem Titel eine spektakuläre Reihe mit Vorträgen und Kultur-Events an ungewöhnlichen Orten. Mit einer Neuauflage und Weiterentwicklung des Projektes sollte studentisches und universitäres Leben exemplarisch verdeutlicht werden. Das Projekt wurde nicht umgesetzt. Dem Gedanken, eine Verbindung zwischen Hochschulkultur und Stadtgesellschaft herzustellen, fühlt sich aber das von unserer Zeitung initiierte Festival „Neue Wände – Studentische Kultur an den Städtischen Bühnen“ am 30. und 31. Oktober verpflichtet.

» Projekt „Toleranz und Religion – internationale Gespräche“: 

In der Stadt des Westfälischen Friedens war für 2010 eine hochkarätige Veranstaltungsreihe zum Dialog der Religionen geplant. In gewisser Weise hat das Exzellenzcluster „Politik und Religion“ der Uni Münster diese Aufgabe übernommen. Es wurde 2007 gegründet und meldet sich auch 2010 öffentlichkeitswirksam zu Wort.

» Projekt „Die Welt nach 1648 – Europa und der Kolonialismus“: 

Der Westfälische Friede und das Machtstreben in Europa“, dieser Spannungsbogen sollte 2010 umfassend beleuchtet werden. Fehlanzeige!

» Projekt „Datenbank Westfälischer Friede“

Geplant war, die vielen Datenbestände zu „Krieg und Frieden in Europa“ zu einer „virtuellen Bibliothek“ zusammenzutragen. Der Vorschlag erhielt keine weitere Aufmerksamkeit.

» Projekt „Menschenrechte im Bild“: 

Münster strebte für das Kulturhauptstadtjahr eine internationale Kunstausstellung an, welche das Verhältnis von Ästhetik und Wahrheit in der „künstlerischen und journalistischen Bildproduktion“ näher beleuchten sollte. Das Projekt wurde eingestampft.

» Projekt „Skulptur.Projekte revisited“: „Als Rückschau und Ausblick“ planten die 2010-Macher eine Ausstellung, die sich mit der Kunst im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen sollte. Es blieb bei einer Idee.

» Projekt „Megaherz zwanzig zehn“: Das Jubiläum „25 Jahre Theater im Pumpenhaus“ war ein zentraler Punkt im Kulturhauptstadt-Kalender. Volltreffer! Das Pumpenhaus feiert zwar unter dem Titel „Statements“. Aber an dem Theater führt 2010 kein Weg vorbei.

» Projekt „Laboratorium für Förderung“: Der ökonomischen Basis der Kultur und der Frage nach dem „Wie“ ihrer Förderung wollte die Kulturhauptstadt Münster einen eigenen Veranstaltungsblock widmen. Der Gedanke wurde nicht weiter verfolgt.

» Projekt „Junge Meister“: 

Als Standort einer Musikhochschule sollte Münster Austragungsort einer Festivalwoche für talentierte Nachwuchsmusiker aus ganz Europa werden. Zu einer Realisierung kam es nicht.

» Projekt „Akademie für performative und intermediale Kunst im öffentlichen Raum“

Zur Kulturhauptstadt-Bewerbung gehörte der Anspruch Münsters, eine führende Ausbildungsadresse für Kreativberufe zu werden. Die Akademie hat nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

» Projekt „Kindermuseum / Kulturforum / Kommunikationslaboratorium“:

Die Bewerbung war eingebettet in ein Konzept zum Bau verschiedener Kultureinrichtungen. Alle drei verschwanden von der Tagesordnung, teilweise leise, teilweise laut.

» Fazit

Nur bei einem von 13 geplanten Projekten kann man Vollzug melden. Es ist das Festival im Pumpenhaus.

Zum Thema

Pumpenhaus

Zwei Projekte durfte die Stadt Münster für das Ruhr-2010-Programm melden, Programmpunkt „National Heroes“. Warum nicht das Festival im Pumpenhaus, dessen Genese bis zur Kulturhauptstadtbewerbung 2004 zurückreicht? „Wir wurden nicht gefragt“, lautet die lakonische Antwort des Pumpenhaus-Geschäftsführers Ludger Schnieder. Kulturdezernentin Dr. Andrea Hanke stellt den Sachverhalt anders dar. Zu dem Zeitpunkt, als die Unterlagen in Essen eingereicht werden mussten, sei das Festival „noch nicht gesichert“ gewesen.