15.05.2010 – Sabine Müller in Münster Kultur 2010: Die Welt tanzt in Münster

Pressespiegel

 

15.05.2010 – Sabine Müller in Münster Kultur 2010
Die Welt tanzt in Münster

Die Internationalen Tanztage geben Einblicke in die zeitgenössische Szene

Wer wissen will, was zeitgenössischer Tanz ist, kann das von 22. Mai bis 5. Juni in Münster herausfinden. Die Internationalen Tanztage präsentieren Klassiker, deutsche und europäische Erstaufführungen sowie zur Eröffnung eine Uraufführung. Hier trifft sich das Who is Who der Tanzwelt und gibt einen Einblick in die zeitgenössische Tanztheaterszene.

Münster ist eine Stadt des Tanzes. In den 20er Jahren war der legendäre Tänzer und Choreograf Jooss als Ballettmeister an den Städtischen Bühnen Münster engagiert. Er war es auch, der 1928 in Essen das Folkwang-Tanztheater-Experimentalstudio gründete, das in den 30er Jahren als „Wiege“ des deutschen Ausdruckstanzes und Wegbereiter des „German Dance“ in aller Welt galt. Heute heißt das Studio Folkwang Tanzstudio. Daniel Goldin, der seit 14 Jahren als Choreograf an den Städtischen Bühnen Münster tätig ist, war zuvor Mitglied des Folkwang-Studios unter der Leitung von Pina Bausch (eine Schülerin von Kurt Jooss). Für die Internationalen Tanztage hat Goldin sich dieser Wurzeln besonnen und mit dem Folkwang Tanzstudio zusammen gearbeitet. Die Uraufführung „Projekt Cage“ mit Tänzern aus Münster und Essen ist die zweite große Uraufführung Goldins in dieser Spielzeit und zugleich das Eröffnungsstück des Festivals. Der Kreis schließt sich.

Am Puls der Zeit

Doch die Städtischen Bühnen stemmen das Festival nicht alleine. Ihr Partner ist das Theater im Pumpenhaus, die zweite große Bühne für zeitgenössischen Tanz in der Stadt. Theaterleiter Ludger Schnieder lädt seit Jahren die Ensembles in sein Haus ein, die mit richtungsweisenden Produktionen neue Trends setzen. „Tanz ist das Medium, das noch schneller am Puls der Zeit ist als das Theater“, sagt er. Das ist nicht immer einfaches Theater. Es gibt zwar ein treues Tanzpublikum, gerade in Münster, der Stadt der vielen Ballettschulen, doch oft, so wissen Goldin und Schnieder, gebe es auch Berührungsängste, Sorge, das Geschehen auf der Bühne nicht zu verstehen. Das Festival will diese Angst nehmen. „Wir wollen zeigen, was Tanz sein kann, wie vielfältig er ist“, so Goldin.
So wird Susanne Linke, die große Dame des deutschen Tanzes, die in den 70er Jahren das Folkwang Tanzstudio leitete, fünf ihrer berühmten Soli zeigen. Zwei davon tanzt sie selber. Darunter das 1980 entstandene und immer wieder aufgeführte Stück „Im Bade wannen“, wo sie tatsächlich mit einer Badewanne auf der Bühne tanzt – zu Musik von Eric Satie.
So wird es skurrile Momente mit Raffaela Giordano geben. Sie gilt als Revolutionärin der italienischen Tanzszene, wurde vielfach ausgezeichnet, auch für das Stück „Quore“, das sie in den Städtischen Bühnen präsentiert. Vier Tänzer wagen sich an die Unvollkommenheit des alltäglichen Lebens, erklären wie chaotisch und sinnentleert es sein kann: „Verstörend, aber spannend“, verspricht Tanztheaterdramaturg Ardan Hussain.

Elf Gastspiele

Elf Gastspiele gibt es während der zwei Wochen, teils im Pumpenhaus, teils in den Städtischen Bühnen. Ein Ausstellungsprojekt mit Tanzfotografien von Matthias Zölle an verschiedenen Orten der Innenstadt, eine riesige Videoinstallation von „Urbanscreen“ in der City gehören ebenfalls mit zum Programm und zum Abschluss gibt es eine große Rockoper. Die Choreografen und Tänzer kommen unter anderem aus Japan, Korea, Kanada, Frankreich und Belgien, Berlin, der Schweiz und natürlich – aus Münster.