14.05.2010 – Offener Brief von Jutta Ditfurth an den Chefredakteur der Münsterschen Zeitung

Pressespiegel

 

14.05.2010 – Offener Brief von Jutta Ditfurth an den Chefredakteur der Münsterschen Zeitung
Erklärung zu den Angriffen des Chefredakteurs Stefan Bergmann

Jutta Ditfurth
Erklärung zu den Angriffen des Chefredakteurs der Münsterschen Zeitung, Stefan Bergmann, nach meiner »Szenischen Lesung – Ermittlungen in Sachen Ulrike Meinhof« am 11.5.2010 in Münster

Seit 2008 habe ich weit mehr als 120 Lesungen zu meiner Ulrike-Meinhof- Biografie (Ullstein 2007) gehalten, in Deutschland, in Schweden und in Finnland. In Theatern wie dem Berliner Ensemble in Berlin oder dem Schauspiel in Stuttgart, auf großen Buchmessen wie in Göteborg, auf 
Einladung von Goethe-Instituten und Universitäten. Nie hat 
irgendjemand so unintelligent, bösartig und wahrheitswidrig reagiert wie Stefan Bergmann, der Chefredakteur der Münsterschen Zeitung. Er hat seinen Job angetreten, nachdem 2007 zuvor die gesamte Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung unter üblen Umständen vom Herausgeber gefeuert worden war
(vgl.: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,461628,00.html).

Vielleicht steht Bergmann deshalb unter besonderem Druck und ist, wem auch immer, zu einer solch wahrheitswidrigen Berichterstattung und Kommentierung verpflichtet? Um es mit einem altmodischen Begriff zu sagen: der Chefredakteur der Münsterschen Zeitung, Stefan Bergmann, ist ein unanständiger Mann.

Bergmann unterstellt mir allen Ernstes Nähe zur RAF, »unverhohlenes Werben für die Ziele der ‚Roten Armee Fraktion’«. Das ist bösartig und absurd. Das ist eine verhetzte Sprache, die ich sonst nur von websites der äußersten Rechten kenne. Perfide ist Bergmanns Behauptung, »dass man der Meinung sein darf, dass es in Ordnung ist, Menschen für hehre Ziele umzubringen«. Wer hat so etwas auf der Lesung im Fürstenberghaus in Münster am 11.5.2010 gesagt? Niemand. Weder die Referentin noch eine/r der DiskutandInnen. Im Gegenteil, ich habe die RAF sogar klar und überaus deutlich kritisiert. Wir haben hier also einen Münsteraner Chefredakteur, der seine LeserInnen belügt. Da die Referentin die Veranstaltung aufgezeichnet hat, ist dies nachweisbar.

Fast alle LeserInnen meiner Ulrike-Meinhof-Biografie sowie die ZuhörerInnen meiner Lesungen verstehen, dass ich die Biografin Ulrike Meinhofs bin, nicht mehr, nicht weniger. Ich gehöre seit 1970 zur undogmatischen Linken, zur Frauen- und Anti-AKW-Bewegung, war von 1980-1991 Mitglied der Grünen und gehöre seit 1991 der Ökologischen Linken an. Meine Bücher und journalistischen Arbeiten sind nachzulesen, meine 40jährige politische Praxis ist bekannt. Was verspricht sich Herr Bergmann von seiner Hetze? In wessen Interesse betreibt er diese?

Mich interessiert in meiner Ulrike-Meinhof-Biografie, die Herr Bergmann ganz offensichtlich nicht gelesen hat, wie Ulrike Meinhof wurde was sie war. Das ist die Aufgabe guter Biografien. In meiner »Szenischen Lesung« setze ich mich darüber hinaus mit den Legenden auseinander, die den kritischen (!), realistischen (!) Blick auf Ulrike Meinhof bis heute vernebeln.

Auf meiner Website (ww.jutta.ditfurth.de) finden sich Rezensionen zu meinem Buch und zu meinen Lesungen. Natürlich gab es gelegentlich auch politische Rechte, die meinten, eine Biografin dürfe Ulrike Meinhof nicht »als Menschen« darstellen, sondern am besten von Kindheit an,  als »blutrünstige Terroristin«. Aber solche Leute sind in diesem Land glücklicherweise (noch) die Ausnahme. Allerdings hat Stefan Bergmann das Niveau dieser Fraktion weiter gesenkt.

Münster hat ein Problem: Chefredakteur Bergmann scheint eine Meinhof- Biografin nicht von einem RAF-Mitglied unterscheiden zu können. Das ist sein – vielleicht intellektuelles – Problem. Man stelle sich Vergleichbares einmal für die AutorInnen anderer Biografien vor! Was sagt uns das alles über den Wahrheitsgehalt der sonstigen Berichterstattung der Münsterschen Zeitung?

Oder anders gefragt: Was ist in Münster los?

Freitag um 18:46